Alphabetisierung ist ein Humanismus. Alphabetisierung ist aber auch ein Ideal. Konsequent betrieben, könnte sie zu dem führen, was Will Frenken apodiktisch einmal, wie folgt, formuliert hat: "Der Endzustand der Welt ist ein Buch."
Das Buch in allen seinen Facetten, eingeschlossen auch die symbolischen Bezüge, hat Will Frenken sein Leben lang begleitet und sein reiches künstlerisches Werk nachhaltig bestimmt.
Frenken ist Semantiker. Wenn er eine Annäherung an die Alphabetisierung unternimmt, bedient er sich dazu deren originärer Grundlage, des Alphabetes eben. Nukleus seiner Arbeit ist demnach der Buchstabe. Buchstaben sind Zeichen. Buchstaben sind auch Chiffren. In Gruppen zu Worten und Texten gegliedert, sind sie Gegenstand der semantischen Analyse.
Wenn Wil Frenken Alphabete der Hildegard von Bingen oder des Thomas Morus gestaltet, setzt er Zeichen mit diesen Buchstaben - im wörtlichen Sinne zunächst, dann gewissermaßen aber auch semantisch und humanistisch. Frenkens Alphabete, farbig und lebensvoll, sind Chiffren für Bildungswelten, jeder Buchstabe ist Mikrokosmos und Makrokosmos zugleich.