Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Objekt des Monats Dezember 2002: Spätgotischer Hausaltar

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Spätgotischer Hausaltar

Bis heute ist es in vielen Regionen Europas üblich, einen bestimmten Bereich der privaten Wohnung für die persönliche Andacht zu reservieren und auszustatten. Im Mittelalter war diese Ausdrucksform der individuellen Religiösität auch in ganz Deutschland verbreitet. Sehr vermögende Bürger ließen sich in ihren Häusern gelegentlich sogar abgeschlossene Kapellenräume einrichten, wofür es auch in Lüneburg Beispiele gibt.

Das Zentrum eines jeden Andachtraumes bildete der Hausaltar. Im Museum ist ein besonders eindrucksvolles Exemplar mit inhaltlichen Bezügen zum Weihnachtsfest ausgestellt. Dieser Hausaltar - um 1530 entstanden, 70 cm hoch, 54 cm breit - ist aus weißem Ton modelliert und hat seine Bestimmung in einem Lüneburger Patrizierhaushalt erfüllt.

Objekt des Monats Dezember 2002: Spätgotischer Hausaltar
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In sehr feiner Arbeit, mit erkennbarer Freude am Detail, ist die Verkündigung an Maria dargestellt. Die Szene ist in eine Baldachinarchitektur aus Elementen der späten Gotik eingestellt. In einer bürgerlichen Stube mit liebevoll wiedergegebener Ausstattung sitzt rechts Maria in demütiger Haltung vor einem Betpult, links befindet sich der Erzengel Gabriel. Lateinische Inschriften in den um die Köpfe der beiden Personen gelegten Nimben oder auf Schriftbändern erläutern das Geschehen.

Die Texte sind dem 1. Kapitel des Lukasevangeliums entnommen und als Dialog aufzufassen. In deutscher Übersetzung lauten sie: Der Herr sei mit Dir! - Der Heilige Geist wird über Dich kommen! - Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach Deinem Wort! - Das Wort ist Fleisch geworden. Die intime Szene ist einem Hortus Conclusus, einem "geschlossenen", umzäunten "Garten", eingefügt, der eine vielschichtige christliche Symbolik besitzt. Unter anderem ist er Mariensymbol, wie es auch die deutlich hervorgehobenen Lilien in der eigentlichen szenischen Darstellung sind.

Der Altar ist vermutlich in Westfalen im Umkreis der Werkstatt des Karthäusermönchs Jodocus Vredis entstanden. In Lüneburg befand er sich im Hause Am Sande 16, gelangte im 19. Jahrhundert in eine private Sammlung und konnte bereits 1878 durch den Museumsverein erworben werden. Das Gebäude am Sande 16, im 15. Jahrhundert entstanden, um 1760 zur Straße hin im Barockstil überformt und in diesem Zustand bis heute erhalten, war patrizischer Besitz. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts gehörte es dem Sülfmeister Nicolaus Wülsche, um 1530 seinem gleichnamigen Neffen. So wird man den Altar, der durch die Art seiner Darstellung der privaten Andacht besonders gerecht wird, als Hausaltar der Familie Wülsche ansehen dürfen.




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