Lederkissen von der Goldenen Tafel
Zu den vielleicht eher unscheinbaren, aber nicht minder wichtigen Exponaten des Museums gehört ein kleines, fast quadratisches Daunenkissen mit Lederbezug. Es ist vermutlich um 1425 entstanden. |
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Die Rückseite des Bezuges besteht aus weißem Leder, die Vorderseite aus rot gefärbtem Leder mit eingeschnittener Verzierung. Im Mittelfeld erscheint eine Blätterkrone, deren Reif die Inschrift "ave.maria. gar" trägt. Gemeint ist hier das Mariengebet "Ave maria, gracia plena, dominus tecum..." (Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit Dir...). Zwischen den Zacken der Krone stehen je zweimal die Buchstaben M und V für "Maria" und "Virgo" (Jungfrau). Neben weiterem Pflanzlichen Ornament an den Rändern zeigt die untere Rahmenleiste zwei Drachen, die übrigen tragen die Namen "rex iaspar", "melchior" und "balthazar", womit auf die sogenannten heiligen drei Könige hingewiesen wird.
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Das Kissen ist ganz eindeutig Zeugnis einer besonderen Marienverehrung. Auffällig ist, daß die Könige oder Magier aus dem Morgenland eingebunden sind. Durch ihre Nennung wird auf die Anbetung des Christkindes verwiesen, durch das Mariengebet auf die Verkündigung der Geburt an Maria. Der genaue Zweck des Kissens ist nicht bekannt.
Das Stück ist Bestandteil des Reliquienschatzes des ehemaligen Lüneburger Benediktinerklosters St. Michaelis. Der Hochaltar der Klosterkirche war in der Art gestaltet, daß sein Mittelteil, der Schrein, mit Fächern versehen war, die eine Goldblechtafel mit getriebenen Darstellungen zum Leben Jesu einrahmten.
Von diesem zentralen Gegenstand ausgehend, wurde der gesamte Altar verkürzend als "Goldene Tafel" bezeichnet.
Der Reliquienschatz des Klosters war reich und bedeutend. Dem Braunschweiger "Welfenschatz", der Reliquiensammlung des Domes St. Blasii, stand er in Bedeutung kaum nach. Durch zwei Beraubungen im 17. Jahrhundert wurde der Lüneburger Schatz stark dezimiert. Von ehemals 88 Stücken sind 32 heute nur mehr erhaltene im Kestner-Museum Hannover ausgestellt, ein weiteres ist das hier vorgestellte Kissen. Es ist das einzige am Ort verbliebene Stück, das an ein prachtvolles mittelalterliches Kunstwerk und einen berühmten Schatz erinnert.
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