Museum für das Fürstentum Lüneburg
    [Kontakt]    [Archiv]    [Impressum]  
  Sitemap: Das Museum im Überblick    
Objekt des Monats Mai 2003: Beischlagwange von 1479

Objekt des Monats

  Angebote des Museums
 Informationen
 Abteilungen
 Sammlungen
 Veranstaltungen
 Museumsshop
 Geschichte
ArchivArchiv
 Home
 

Beischlagwange von 1479

Das Erscheinungsbild der Straßenzüge in den Hansestädten rund um die Ostsee war seit dem späten Mittelalter geprägt von jeweils paarweise vor den Hauseingängen aufgestellten Beischlagwangen. Sie erfüllten gleichermaßen funktionale wie auch ornamentale Zwecke.
Beiderseits der Portale der größeren Häuser wurden im rechten Winkel zur Fassade kurze, schmale Begrenzungsmauern in den Straßenraum hinein gebaut, die zur Einfassung einiger weniger, zum Portal hinaufführender Treppenstufen dienten. Den äußeren Abschluß dieser Mauern, die gemeinhein - wie die Häuser selbst auch - in Backstein ausgeführt waren, bildeten übermannshohe, bildhauerisch gestaltete Stelen aus Naturstein, die sogenannten Beischlagwangen.

Bis in die Neuzeit hinein bildeten sie auffällige Akzente im Straßenbild. Mit zunehmender Verkehrsdichte und technologischen Veränderungen der Verkehrsmittel wurden die Beischläge mehr und mehr zum Hindernis und verschwanden. Häufig gab man ihnen eine zweite Verwendung, etwa indem man sie zu Grabdenkmalen umarbeitete. Heute trifft man Beischläge nur noch vereinzelt und zumeist nicht mehr in der ursprünglichen Aufstellung an.


Objekt des Monats Mai 2003:Beischlagwange von 1479
Bild vergrößern
Das Lüneburger Museum besitzt eine beachtliche Anzahl von beschädigten Beischlagwangen bzw. deren Fragmenten. Im allgemeinen sind sie mit den Wappen der Hauseigentümer geschmückt. Das hier vorzustellende Stück ist jedoch vollständig erhalten und weicht auch in der bildlichen Gestaltung vom Üblichen ab.

Der über zwei Meter hohe Stein läuft in eine kreisrunde Bekrönung aus, die am Rand mit sieben Knollen besetzt ist. Das Hauptfeld zeigt im Relief die Darstellung eines Ritters mit den Gesichtszügen eines Afrikaners. In der linken Hand hält er einen Schild, in der rechten eine Fahne mit der Jahreszahl 1479, die den Stein datiert.

Die Identifizierung des Ritters als hl. Mauritius ist sehr naheliegend. Die Bekrönung des Stückes enthält als Relief eine Darstellung der Anna Selbdritt, also Annas, ihrer Tochter Maria und des Christuskindes. Darunter ist in gotischen Kleinbuchstaben der Anruf "help s. anna sulf drudde" (Hilf, Heilige Anna Selbdritt!) eingehauen.

Die zugehörige zweite Wange besitzt unten eine Darstellung des Apostels Jacobus d. Ä., in der Bekrönung der hl. Katharina. Der Stein ist zerbrochen, die Einzelteile sind als Wandschmuck im großen Saal der Musikschule Lüneburg angebracht.

Der originale Standort der beiden Wangen ist nicht bekannt. Sie gelangten aus der Sammlung des Fabrikanten und späteren Hoteliers August Wellenkamp (1807 bis 1888) an das Museum.
Dr. Eckhard Michael

 



[Home]    [Übersicht Objekte]