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Das Lüneburger Museum besitzt eine beachtliche Anzahl von beschädigten Beischlagwangen bzw.
deren Fragmenten. Im allgemeinen sind sie mit den Wappen der Hauseigentümer geschmückt. Das hier
vorzustellende Stück ist jedoch vollständig erhalten und weicht auch in der bildlichen Gestaltung
vom Üblichen ab. Der über zwei Meter hohe Stein läuft in eine kreisrunde Bekrönung aus, die am
Rand mit sieben Knollen besetzt ist. Das Hauptfeld zeigt im Relief die Darstellung eines Ritters
mit den Gesichtszügen eines Afrikaners. In der linken Hand hält er einen Schild, in der rechten
eine Fahne mit der Jahreszahl 1479, die den Stein datiert. Die Identifizierung des Ritters als
hl. Mauritius ist sehr naheliegend. Die Bekrönung des Stückes enthält als Relief eine Darstellung
der Anna Selbdritt, also Annas, ihrer Tochter Maria und des Christuskindes. Darunter ist in
gotischen Kleinbuchstaben der Anruf "help s. anna sulf drudde" (Hilf, Heilige Anna Selbdritt!)
eingehauen.
Die zugehörige zweite Wange besitzt unten eine Darstellung des Apostels Jacobus d. Ä., in der Bekrönung der hl. Katharina. Der Stein ist zerbrochen, die Einzelteile sind als Wandschmuck im großen Saal der Musikschule Lüneburg angebracht.
Der originale Standort der beiden Wangen ist nicht bekannt. Sie gelangten aus der Sammlung des Fabrikanten und späteren Hoteliers August Wellenkamp (1807 bis 1888) an das Museum.
Dr. Eckhard Michael |