| Diese vergleichsweise kleine, nur 25 zu 32 cm messende, in der Technik des Kupferstichs hergestellte Karte ist eine der ältesten geographischen Darstellungen des Fürstentums Lüneburg. Gezeigt wird ein Gebiet, das im Norden durch Hamburg, im Süden von Hildesheim, im Westen von Diepholz und im Osten von Seehausen und der Elbe begrenzt ist. Dieser Ausschnitt ist von einer Ornamentleiste in Renaissanceformen begrenzt, verschiedene Textbeigaben vermitteln nähere Erläuterungen.
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Unten rechts erscheint ein Feld mit der Kartenlegende. Man erkennt mehrere Signaturen, die als "Stadt", "Stedtlein", "Edelsitz", "Schloß", "Kloster" und "vornehme dorff" gekennzeichnet sind. Diese Signaturen werden systematisch verwendet, bei den großen Städten erscheinen zusätzlich individuelle Kennzeichen, so bei Lüneburg das große Massiv des Kalkberges oder bei Celle der Schloßturm.
Unten links ist eine Maßstableiste eingefügt, durch einen beigegebenen Zirkel deutlich markiert.
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Einzelheiten über die Herstellung der Karte vermittelt der in eine Renaissancekartusche mit angehängtem braunschweig-lüneburgischen Herzogswappen gesetzte Text in der linken oberen Ecke.
Es heißt dort: "Lunaeburgici ducatus noua et accurata descriptio geographica, in gratiam illustrissimi et generosissimi Principis ac Domini Domini ERNESTI, Duci Brunsuicensis et Lunaeburgensis concinnata, elaborata et in lucem edita a Johanne Mellingero Halensi, aulae Cellensis medico. Anno salutiferi partus M D XCIII". (Des lüneburgischen Fürstentums neue und genaue geographische Beschreibung, in die Gunst des höchst berühmten und Höchst großzügigen Fürsten und Herrn, des Herrn Ernst, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg gelegt, ausgearbeitet und ans Licht gebracht von Johann Mellinger aus Halle, des cellischen Hofes Arzt. Im Jahre der Geburt des Heilsbringers 1593.)
Weitere Texte benennen kartographisch den Breitengrad sowie - in Gedichtform - den Inhalt der Karte. Die politischen Grenzen des Fürstentums sind gestrichelt eingezeichnet. Der Maßstab der Karte beträgt etwa 1 : 720 000.
Der Verfertiger der Karte, Johann Mellinger, stammte, wie der zitierte Text belegt, aus Halle an der Saale. Er wurde um 1540 geboren und starb 1603 in Celle. Er absolvierte ein Studium in Wittenberg und trat in den Schuldienst ein, zunächst in Weimar, später in Jena, wo er 1569 Rektor wurde. Durch die von der Universität Jena ausgehenden Einflüsse beschäftigte er sich mehr und mehr mit der Medizin und quittierte den Schuldienst 1573. Wohl 1577 trat er in die Dienste des Celler Hofes. Es wurde seine Aufgabe, den seit 1587 in vollständige geistige Umnachtung verfallenen Herzog Wilhelm d. J., Vater des in der Widmung genannten Herzogs Ernst, medizinisch zu betreuen und zu überwachen. Briefe und Berichte von seiner Hand geben ein facettenreiches Bild vom Krankheitsverlauf des Fürsten. Auch nach Wilhelms Tod im Jahre 1592 blieb Mellinger Leibarzt am Celler Hof.
Wie viele Gelehrte seiner Zeit befaßte sich Mellinger neben seiner ausgefüllten beruflichen Tätigkeit mit der Kartographie. Er entwarf und zeichnete Karten sowie Städteansichten. In seiner Weimarer Zeit entstand 1568 seine nachweislich älteste kartographische Arbeit, eine Darstellung des Thüringer Landes. Die Ansichen der Städte Halle und Hildesheim im 1594 erschienenen Städteatlas von Braun und Hogenberg hat Mellinger angefertigt. Die hier behandelte Karte des Fürstentums Lüneburg von 1593 ist über etwa 100 Jahre mehrfach Vorlage für Nachdrucke gewesen, die zum Teil koloriert wurden.
Mellinger ist nicht zu den wegweisenden Kartographen des 16. Jahrhunderts zu rechnen, für das Land Lüneburg jedoch ist er für längere Zeit von besonderer Bedeutung gewesen. Die Karte von 1593 existiert nur noch in einem weiteren Exemplar, das der Universität Göttingen gehört.
Dr. Eckhard Michael
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