Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Objekt des Monats September 2003: Marktbrunnen

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Marktbrunnen

Vom Mittelalter her stellen Brunnen auf Marktplätzen von Städten und größeren Orten ein schmückendes, gelegentlich repräsentatives Element dar. Der Schöne Brunnen in Nürnberg ließe sich als geeignetes Beispiel nennen. In früheren Epochen hatten die Marktbrunnen zusätzlich Funktionen als Wasserreservoir zu erfüllen.
Der heute auf dem Lüneburger Marktplatz zu bewundernde Brunnen ist eine Kopie. Das Original befindet sich geschützt im Innenhof des Museums. Seine Bestandteile, sämtlich aus Bronze gefertigt, gehören drei verschiedenen Zeitepochen an.

Die Mittelsäule entstand um 1540, die beiden Schalen, von denen die untere einen Durchmesser von 110 cm besitzt, die obere von 64 cm, reichen in gotische Zeit zurück. Sie stammen aus der Werkstatt des Lüneburger Kunsthandwerkers Hans Snitker.

Die bekrönende weibliche Figur, eine Darstellung der römischen Göttin Diana, ist eine Nachbildung der 1970 gestohlenen originalen Statue, mithin erst wenige Jahrzehnte alt.
Der 1970 erfolgte Diebstahl gab den Ausschlag dafür, den gesamten Brunnen von seinem Aufstellungsort vor dem Rathaus zu entfernen und der Obhut des Museums zu übergeben.


Objekt des Monats September 2003: Marktbrunnen
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Nach komplizierten Vorarbeiten wurde eine Form für den Nachguß der Dianafigur hergestellt. Das erste aus dieser Form entstandene Exemplar vervollständigt den originalen Brunnen im Museum, das zweite wurde dem nachgebildeten Brunnen auf dem Marktplatz hinzugefügt.
Die Figur stellt Diana mit Pfeil und Bogen dar. Auf dem Kopf trägt sie einen halben Mond. Diana ist populär als Göttin der Jagd. Ursprünglich ist sie in der römischen Mythologie jedoch eine Frauen- und Mondgottheit. Deshalb erscheint sie auch unter dem Namen "Luna" (Mond). Ihre hier beigegebenen Attribute, nicht nur Pfeil und Bogen, sondern auch der Halbmond, nehmen auf diesen Sachverhalt Bezug. Die Luna-Benennung ist im gesamten Zusammenhang entscheidend.

Denn im 16. Jahrhundert - die Figur entstand gleichzeitig mit der um 1540 angefertigten Mittelsäule - sah man den Mond geradezu als Symbol für Lüneburg an. In einer ebenso gelehrten wie unzutreffenden wortgeschichtlichen Herleitung hatte man den Stadtnamen Lüneburg auf das lateinische Wort "luna" zurückgeführt.

Im 16. Jahrhundert, im Zeitalter der Renaissance und des Humanismus, war die Antike gewissermaßen neu entdeckt worden, was sich deutlich auf Kunst und Wissenschaft auswirkte. Nicht in jedem Fall blieb man dabei auf unanfechtbarer Grundlage, wie auch das Lüneburger Beispiel zeigt. Gleichwohl ist diesem Irrtum eine Reihe kulturhistorisch bedeutsamer Erzeugnisse zu verdanken. Der Halbmond wurde auf Lüneburger Münzen abgebildet, einen Halbmond fügte man dem Beiwerk des Großen Stadtwappens als Zierrat hinzu, Luna-Diana wurde als Figur des Markt- brunnens ausgewählt.

Der Lüneburger Marktbrunnen, für den die gelegentlich verwendete Bezeichnung "Luna-Brunnen" höchst zutreffend ist, stellt sich nicht nur als besonderes Denkmal dar, sondern ist zugleich auch Zeugnis für gelehrte Spekulationen eines Zeitalters, das der Stadt Lüneburg auf allen Gebieten der Kunst zu einer letzten Blüte verhalf.
Dr. Eckhard Michael

 



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