Agnus Dei-Ostensorium
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| Diese wenig spektakulär wirkende Goldschmiedearbeit zählt zu den wichtigsten Exponaten der Kirchlichen Abteilung des Museums. Das Ostensorium, also ein Schaugefäß, ist ein bedeutendes Zeugnis spätmittelalterlicher Frömmigkeit. Diese Gefäße waren in großer Zahl vorhanden, nur wenige jedoch haben sich über die Jahrhunderte erhalten. Deshalb kommt dem Lüneburger Exemplar eine hohe dokumentarische Bedeutung zu.
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Der aus Silber gefertigte, etwas mehr als 17 cm hohe Gegenstand besitzt einen sechspassigen, länglich ausgezogenen Fuß , der in einen Schaft mit einem kleinen gerippten Nodus übergeht. Auf dem Schaft ist eine kreisrunde Kapsel mit durchbrochen gearbeitetem Korpus angebracht. Vorder- und Rückseite der Kapsel sind vergoldet. Die Rückseite, mit Scharnieren befestigt, dient als Deckel.
Die Vorderseite ist durch zwei konzentrische Taustabringe in eine außen umlaufende Schriftzone und ein Mittelfeld gegliedert. Im Schriftring steht "ihesus. nazarenus. rex. iudeoru(m)" , also "Jesus von Nazareth, König der Juden". Das Mittelfeld zeigt, auf diesen Text bezogen, eine plastische Darstellung des Gekreuzigten mit Maria und Johannes als Assistenzfiguren. Über dem Kreuz wird mit dem Schriftzug "inri" auf die äußere Umschrift zurückverwiesen, weiterhin sind umlaufend die Namen der Weisen aus dem Morgenland "iaspar. melchior. baltzar" graviert. In dem hier entwickelten kleinen Bildprogramm wird die Kreuzigung Christi mit seiner Geburt über die Namen der anbetenden Könige verbunden.
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Die Rückseite der Kapsel zeigt in Gravur eine Halbfigur der Maria mit dem Kind auf der Mondsichel im Strahlenkranz, umrahmt von dem Text des Mariengebetes "ave. maria. gracia. plena. d(omi)n(u)s. tec(um)". Durch diese Darstellung werden die christologischen Bezüge der Vorderseite mit marianischen verknüpft.
Als Bekrönung erhebt sich auf der Kapsel ein Reliquienkreuz, dem wiederum ein Gekreuzigter appliziert ist. Der rückseitige Deckelverschluß fehlt.
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Das Ostensorium diente zur Aufnahme eines "Agnus Dei", einer mit dem Bild des Gotteslammes versehenen geweihten Wachsscheibe. Das einem Siegel ähnliche Agnus Dei ist Gegenstand der persönlichen Andacht. Bereits im 9. Jahrhundert ist dieser Brauch nachzuweisen, besonders wichtig wurde er im 15. Jahrhundert, nachdem ausschließlich der Papst die Weihe dieser wie Reliquien verehrten Bilder vornahm, und zwar im ersten und danach in jedem siebenten Jahr seiner Regierung.
Die weite Verbreitung und hohe Wertschätzung der Wachsscheiben führte zur Anfertigung verschieden gestalteter Behältnisse aus Silber, um eine angemessene Aufbewahrung zu gewährleisten. Besonders beliebt waren kreisrunde Kapseln. Ostensorien waren seltener. Das Lüneburger Exemplar gelangte aus dem Hospital zum Heiligen Geist in das Rathaus und von dort an das Museum.
Dr. Eckhard Michael |
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