Papierrelief
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| Das Museum besitzt verschiedene aus Papiermasse gefertigte Darstellungen religiöser Motive aus der Werkstatt des Albert von
Soest (gest. 1589). Die hier gezeigte Version des Schmerzensmannes, also des leidenden Christus, gehört in diesen
Zusammenhang.
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Christus trägt die Dornenkrone, über seinen Schultern liegt der Purpurmantel, die Hände, die bereits die
Wundmale zeigen, sind schmerzverzerrt vor dem Oberkörper gefaltet. Das Bildmotiv folgt dem Titelblatt der Großen Passion
von Albrecht Dürer. Die ca. 36 zu 27 cm messende Arbeit, mit einem Rahmen aus der Entstehungszeit um 1580 versehen, ist
farbig gefaßt. Unter der Darstellung erscheint eine Profilleiste mit der Inschrift „PSALM XXII“ (Mein Gott, mein Gott,
warum hast Du mich verlassen?...) und dem Künstlermonogramm AVS.
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Der Bildschnitzer und Steinbildhauer Albert von Soest, dem Lüneburg eine Reihe bedeutender Werke
verdankt – am bekanntesten sind seine Schnitzereien in der Großen Ratsstube des Rathauses –
hat offenbar auch in großer Zahl Reliefs aus Papiermasse und Ton hergestellt.
Dazu war ein Verfahren entwickelt worden, das es erlaubte, hohe Auflagen herzustellen. Aus Holzwurde
eine Urform des jeweiligen Bildes gefertigt, von der dann ein Abdruck als Matrix für die eigentliche
Produktion genommen wurde. Ton oder feuchte Papiermasse dienten als Werkstoff, der in die Form
gepresst wurde.
Nach dem Brennen bzw. Trocknen wurden die Werkstatterzeugnisse bemalt und konnten in den Handel
gegeben werden. Die Papierreliefs widmen sich überwiegend
religiösen Themen, zeigen aber auch Portraits bekannter Persönlichkeiten des Protestantismus.
Als Vorlagen nahm man
überwiegend populäre Stücke zeitgenössischer oder älterer Druckgraphik.
In mehreren, überwiegend norddeutschen Museen lassen sich Papierreliefs von Albert von Soest
nachweisen. Sie waren anscheinend als Wandschmuck und gegebenenfalls zugleich als Andachtsbild sehr beliebt. Die Exemplare
des Museums für das Fürstentum Lüneburg gehören zum älteren Sammlungsbestand, das hier gezeigte Bild wurde 1899 käuflich
erworben.
Dr. Eckhard Michael |
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