Sterbemedaille von 1617
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| Die aus Silber gefertigte Medaille besitzt einen Durchmesser von gut fünf Zentimetern. Die Vorderseite zeigt das Wappen der Lüneburger Patrizierfamilie Witzendorff - im Schild zwei gekreuzte Harken -, eingeschlossen von einem zweizeiligen Inschriftring.
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Der darin enthaltene Text lautet: MAGNIFIC(VS) E(T) CONSVLTISS(IMVS) VIR D(OMINVS)
HEINRIC(VS) WITZENDORPI(VS) CO(N)S(VL) NATVRE SATIS FECIT 29 NOVEM(BRIS)
ANNO 1617 AETAT(IS) SVAE 66 MENSIS VIII D(IES) IV.
("Der verehrungswürdige und hochweise Mann, Herr Heinrich Witzendorff,
Bürgermeister, tat der Natur genüge den 29. November 1617, seines Alters 66 Jahre,
8 Monate, 4 Tage").
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| Auf der Rückseite ist der Verstorbene kniend vor einem Kruzifixus dargestellt, die Hände zum Gebet erhoben. Im Hintergrund erscheint eine Ansicht der Stadt Lüneburg von Süden, darüber eine aus den Wolken strahlende Sonne.
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Ein Inschriftring rahmt die Szene, sein Text ist als das von dem Dargestellten gesprochene
Gebet zu verstehen.
TE . IESV . SITIO . TERRAM . DETESTOR . INIQVAM . O CAELVM . SALVE . MVNDE . MALIGNE .
VALE.
Formal handelt es sich um ein Distichon, eine aus der Antike herrührende Versform.
("Nach dir, Jesu, dürste ich, die ungerechte Erde verfluche ich. O Himmel, sei gegrüßt!
Lebe wohl, mißgünstige Welt!")
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| Heinrich Witzendorff gehörte einer der wohlhabendsten und einflußreichsten Lüneburger Patrizierfamilien an. Er wurde 1551 als Sohn des Schloßhauptmannes und späteren Bürgermeisters Franz Witzendorff und der Ursula Garlop in Bleckede geboren. Er absolvierte die für das Patriziat übliche Laufbahn, indem er 21jährig, 1572, Sülfmeister wurde, also eine Siedeberechtigung auf der Saline erwarb, und sich damit eine Ämterkarriere eröffnete. 1579 wurde er Barmeister und Ratsherr, 1592 Sodmeister, 1594 Bürgermeister. Die hier sichtbar werdende Verknüpfung von Positionen in der Salinverwaltung mit solchen in der politischen Verantwortung war für Patrizier ebenfalls üblich.
Witzendorff war mit Elisabeth Töbing verheiratet. Aus ihrer Familie ging das weitläufige Anwesen Grapengießerstraße 45 an ihn über. Er ließ dort aufwendige Umbauarbeiten vornehmen, unter anderem entstand 1593 der bis heute erhaltene, zum Hof hin mit prächtigem Fachwerk versehene Flügelbau.
Daß Heinrich Witzendorff - wie bereits sein Vater und auch sein nach dem Großvater benannter Sohn Franz - auch geistige Interessen verfolgte, erweisen heute in der Ratsbücherei verwahrte Bücher aus seiner Bibliothek.
Witzendorff war ein hervorrragender Repräsentant seines Standes, wohlhabend, gebildet und zum Wohl der Stadt tätig. Seine Lebensspanne beschreibt indessen genau jene Phase, in der die Spätblüte des Patriziats mit ihren positiven Auswirkungen für Kultur und Politik endet.
Die Prägung von Gedenkmedaillen zu besonderen biographisch bestimmten Anlässen war insbesondere in der Renaissance und der Barockzeit verbreitet, vornehmlich auf Herrscherfamilien bezogen. Wenn nun hier in dieser Weise auf den Tod eines Lüneburger Bürgermeisters hingewiesen wird, erkennt man daran vor allem, welches Selbstbewußtsein im Patriziat herrschte.
Dr. Eckhard Michael
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