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Diese tönerne Trommel stammt aus einem sog. "Hünengrab" der jüngeren Steinzeit, ausgegraben in der
Gegend von Barskamp im östlichen Landkreis Lüneburg, unweit der Elbe. In dieser Region,
insbesondere im Schieringer Forst, befinden sich heute noch eine ganze Reihe von z. T. recht
gut erhaltenen Steingräbern.
Durchgeführt wurde die Ausgrabung des Barskamper Steingrabes durch Archäologen des Lüneburger Museums in den frühen sechziger Jahren.
Man fand innerhalb der Grabkammer zwei tönerne Tassen, ein weiteres Tongefäß und die Überreste von insgesamt drei Tontrommeln.
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Diese Trommeln gestatten einen Blick auf das Bestattungsbrauchtum der Erbauer dieser monumentalen
Grabbauten, die wir heute noch beispielsweise in der Oldendorfer Totenstatt unweit Amelinghausen
bewundern können.
Ganz offensichtlich tritt uns in Gestalt der hier vorgestellten Tontrommel ein Gegenstand entgegen,
dessen Bedeutung über die rein praktischen Dinge des Lebens hinaus reicht. Er zeigt uns, dass
diese Steingräber aus der Blüte der Steinzeit hierzulande nicht nur reine Begräbnisstätten waren.
Leider lässt sich jedoch bis heute nicht präzise benennen, welche verschiedenen Funktionen diese
Megalithgräber hatten.
Gerhard Körner, einer der Archäologen, die an der Ausgrabung der Oldendorfer Totenstatt beteiligt
waren, entwarf das folgende, düstere Szenario einer Bestattungsfeier in einem solchen
Steingrab: "Wir nehmen an, dass es sich (bei den dort Bestatteten) um Tote handelt,
die nahezu gleichzeitig gestorben sind und dass es sich um eine auserwählte Begleitung des Toten
handelt,die ihm ins Grab gefolgt ist, Dienerschaft, vielleicht aus Frauen und Männern bestehend.
Die geräumige Stube, als die man die Kammer (des Grabes) ansehen muß, ist der Aufenthalt für
den Toten und seine Leibdiener geworden. Nachdem der Eingang von innen verschlossen war,
erhellten Fackeln das herrschende Dunkel. Und während draußen die Zurückgebliebenen den Eingang
mit Erde zuschaufelten, wurde in der Kammer mit Gesängen und Liedern vom Klange der Fingertrommeln
oder in ihre Höhlung gesungener Melodien begleitet, die gemeinsame Reise in das Jenseits
angetreten, bis ein berauschender Gifttrank auch die Begleitung für immer einschlafen ließ."
Diese Interpretation eines Ausgrabungsbefundes ist in jener Weise heute nicht mehr aufrecht zu
erhalten; zu vielschichtig ist das Bild dieser Epoche angesichts neuerer Grabungsergebnisse
geworden. Mittlerweile wissen wir, dass Steingräber in einigen Regionen als sog. Beinhäuser,
als Aufbewahrungsort für die Knochen zahlreicher Verstorbener also, verwendet wurden, anderere
wiederum werden nach wie vor als Familien- oder gar Kollektivgräber gedeutet.
Auch ist bekannt, dass viele dieser Gräber nicht in einem Zuge errichtet und ihre Grabkammern
oft mehrmals mit Bestattungen belegt wurden.
Die Tontrommel hingegen, soviel ist sicher, ist seither nicht mehr aus den Inventaren
steinzeitlicher Gräber wegzudenken; dieses fragile Gefäß hat auch die Zeit der wuchtigen
Megalithgräber überlebt.
Dietmar Gehrke |