Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Objekt des Monats Januar 2003: Truhe aus Eichenholz

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Truhe aus Eichenholz

Das Museum besitzt eine große Anzahl von Truhen aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. Die meisten von ihnen sind vollständig geblieben, von einigen haben sich nur die Vorderwände erhalten.

Das hier gezeigte Stück ist in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts angefertigt worden. Es ist 93 cm hoch, 150 cm breit und 75 cm tief.

Objekt des Monats Januar 2003: Truhe aus Eichenholz
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Die Schauseite zeigt eine streng gegliederte Dekoration, bestehend vornehmlich aus Elementen, die dem Formenschatz der gotischen Architektur entlehnt sind. Fialenbekrönte Strebepfeiler grenzen sieben Felder ab. In jedem Feld erscheinen unten drei spitzbogige, mit Maßwerk gefüllte Blenden. Darüber ist unter einem Kielbogen, der in einem Wimperg mit großer bekrönender Kreuzblume ausläuft, ein Fabeltier dargestellt. Die Fußteile der Seitenbretter tragen ein Vierblattmuster. Der Truhendeckel ist ergänzt, das Schloß erneuert.
 
Die Truhe besaß ursprünglich einen leuchtend roten Grundanstrich, die Tiere waren goldgelb gefasst. Die Seitenwände trugen schablonierte gelbe Rosetten.

Das Möbelstück wurde im Jahre 1900 aus Barförde, Landkreis Lüneburg, für das Museum erworben. Dieser Umstand macht deutlich, dass es als eine Art "gesunkenes Kulturgut" aus ehemals städtischer Nutzung in ländliche Umgebung abgewandert war.

 
Die Truhe gehört zum Typus der sogenannten "Lüneburger Truhen", der in der Geschichte der deutschen Möbelherstellung aufgrund bestimmter Maßverhältnisse und eines bestimmten Dekorationssystems fest definiert ist. Es handelt sich dabei um Stollentruhen. Unter Stollen versteht man in diesem Fall die vier Seitenbretter, die als Füße dienen und das eigentliche Truhenbehältnis aus Schutz vor Feuchtigkeit und Ungeziefer vom Boden fernhalten.

Truhen dieser Art werden ihrer Zweckbestimmung wegen häufig auch als Hochzeitstruhe bezeichnet. Dem entspricht der rote Farbanstrich. In diesen Truhen wurde die Aussteuer junger Frauen aufbewahrt, in einer Beilade fanden Wertgegenstände Platz. Als Hochzeitsgeschenk bildeten die Truhen das zentrale Stück des neu begründeten Hausstandes. Bis in das 16. Jahrhundert hinein war die Ausstattung von Wohnungen mit Möbeln auffallend spärlich. Schränke in allen später entwickelten Variationen waren unbekannt; allenfalls kannte man in die Mauern eingelassene Wandschränke, so dass die Truhen nicht nur eine funktionale, sondern auch eine wichtige dekorative Rolle spielten.




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