Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Silberner Deckelpokal von 1717: Objekt des Monats Dezember 2004 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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Silberner Deckelpokal von 1717

Das fast 70 cm hohe Gefäß erhebt sich auf einer von drei plastischen Löwen getragenen kreisförmigen Fußplatte. Der Fuß zeigt getriebenes Ornament, der balusterförmige Schaft wird durch vier vollplastische Putten begleitet, die in der jeweils rechten Hand ein besonderes Gebäck halten, Reihensemmel, Brötchen, Dreitimpenbrot und Brezel.
Das eigentliche Gefäß, die Kuppa, setzt in Form einer Dreiviertelkugel an, wird konisch nach oben weitergeführt und geht dann, durch einen kräftigen Wulst vermittelt, in den weit ausladenden oberen Teil über. Die gesamte Wandung ist mit graviertem und getriebenem Ornament verziert. Unterhalb des oberen Randes findet sich folgende Inschrift: "Alterleute. Julius Ernst Schmit. v. Andreas Lübcke. Gülde Mesters. Johan Christopher Krüger. Siebert Lange. Schaffers. Johan Ehrich Hoyer. Johann Flack. 1717".

Der Deckel greift mit einer Zarge in die Kuppa ein. Er ist in Aufbau und Dekor mit dem Fuß identisch. Als Bekrönung dient eine vollplastische Kriegerfigur, die mit der rechten Hand eine große Fahne hält. Diese trägt die Inschrift: "Ernest. Hinrich / Krüger verehrt / diese fehnel".

Die Deckelzarge weist Lüneburger Beschau und das Meisterzeichen HGK auf. Damit ist das Stück als Lüneburger Arbeit des Goldschmiedemeisters Heinrich Georg Koch identifiziert.

Silberner Deckelpokal von 1717: Objekt des Monats Dezember 2004 im Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Inschriften und Einzelheiten der Gestaltung erlauben Aussagen über Eigentümer und Nutzung. Der Pokal wurde für die St. Martins-Gilde der Bäcker angefertigt. Seit dem Mittelalter waren die Handwerker der einzelnen Gewerke jeweils doppelt organisiert. Zum einen bildeten sie eine Art berufsständische Vereinigung, zumeist Zunft, in Lüneburg Amt genannt, zum anderen gehörten sie zugleich einer Gilde an, die religiös ausgerichtet war und im allgemeinen einen Heiligen zum Patron hatte. Im Rahmen der Gilde feierte man Gottesdienste und trug zur Ausstattung der Kirchen bei. Amt wie auch Gilde richteten für ihre Mitglieder gesellige Veranstaltungen aus.

Auf beide Organisationen verweisen die Namen in den Inschriften. Es sind die Älterleute genannt, die dem Amt vorstanden, und es sind die Gildemeister genannt, die für die Gilde verantwortlich waren. Die Schaffer hatten für den Ablauf der Verschiedenen Veranstaltungen zu sorgen. Alle Funktionen wurden gemäß mittelalterlichem "Vieraugenprinzip" zu zweit versehen. Auch die wichtigsten Ratsämter waren auf diese Weise besetzt.

Auf den Patron der Gilde, den heiligen Martin, deutet vermutlich die Kriegerfigur auf dem Deckel. Die vier Gebäckstücke stellen den Bezug zum Bäckerhandwerk her.

Jedes Amt und jede Gilde besaß einen repräsentativen Pokal, der "Willkomm" genannt wurde. Im allgemeinen war er aus Zinn gefertigt, die wohlhabenderen Handwerker ließen ihn, wie im vorliegenden Fall, aus Silber herstellen. Er wurde zu besonderen Festlichkeiten und bei der Begrüßung "willkommener" Gäste benutzt.
Dr. Eckhard Michael .
 



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