Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Objekt des Monats Januar 2004: Glocke von 1385

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Glocke von 1385

Diese größte der im Museum befindlichen fünf Glocken ist 97 cm hoch und hält einen unteren Durchmesser von 133 cm. Durch eine Schulterinschrift ist sie auf 1385 datiert. Der in gotischen Großbuchstaben geschriebene Text lautet: ANNO. D(OMI)NI. M. CCC. L. X. X. X. V. LAVDATE. EVM. I(N). SIMBALIS. BENESONANTIBVS (Im Jahre des Herrn 1385. Lobt ihn mit wohlklingenden Zimbeln.). Der Haupttext ist dem 150. Psalm entnommen.
Ein zweiter Text, in Kleinbuchstaben auf einem Schriftband an der Seite angebracht, gibt Auskunft über den Hersteller der Glocke: m(a)g(iste)r iohan(ne)s me fecit (Meister Johannes stellte mich her.). Die Glocke zeigt auf dem Mantel zwei sich gegenüberstehende große Reliefs, Johannes den Täufer und die Gottesmutter mit dem Jesuskind darstellend.

Weiterhin finden sich, unregelmäßig auf die Wandung verteilt, fünf kleine Medaillons, möglicherweise Pilgermarken oder Abdrücke von Schmuckblechen. Im einzelnen handelt es sich um Abbildungen der Verkündigung an Maria, der Anbetung durch die Hirten, eines Pelikans mit seinen Jungen, des heiligen Christophorus und der Kreuzigung Christi.


Objekt des Monats Januar 2004: Glocke von 1385
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Die Glocke weist einen sehr blasigen Guß auf, es fehlt ihr die Krone. Es ist, vornehmlich wegen der Darstellung des Täufers, zu vermuten, daß sie ursprünglich für die St. Johanniskirche gedacht war, dann aber, weil offensichtlich ein Fehlguß vorliegt, anders verwendet wurde. Man hängte sie im Rathausturm auf, wo sie bis 1955 als Anschlagglocke für eine Uhr diente, im Mittelalter wohl auch als Sturmglocke.

Somit hat man es hier mit der Lüneburger Marktglocke zu tun. Sie ist die "große Glocke", ein funktional wie symbolisch wichtiger Bestandteil spätmittelalterlichen Stadtlebens. Sie warnt bei Kriegs- und Feuersgefahr, ruft zu Versammlungen und gibt die Uhrzeit an. Große Glocken sind zugleich Symbol für städtische Selbständigkeit. Im übrigen ist diese Glocke ein frühes Belegstück für die bedeutende Lüneburger Glockengießertradition, der man sich stets bewußt war.
Dr. Eckhard Michael
 



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