Museum für das Fürstentum Lüneburg
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 Hochzeitsschüssel aus dem 15. Jahrhundert: Objekt des Monats Mai 2004 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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Hochzeitsschüssel aus dem 15. Jahrhundert

Das aus Holz gefertigte, leicht gewölbte tellerartige Objekt besitzt einen relativ breiten Rand und einen stark vertieften Spiegel, so daß von einer Schüssel gesprochen werden darf. Sie ist im Durchmesser 69 cm groß. Die Rückseite ist schwarz gebeizt, die Vorderseite trug Malerei auf Vergoldung. Davon haben sich nur geringe Reste erhalten. Beherrschend für das Erscheinungsbild ist heute der auf Kreidegrund gelegte rote Bolus, also die Grundierung für die nurmehr in kleinen Resten erhaltene Vergoldung.
Auf dem Spiegel ist ein Mann in spätmittelalterlicher Bekleidung zu erkennen. Die Figur ist Bestandteil einer im übrigen zerstörten und somit nicht zu identifizierenden Gesamtdarstellung. Auf dem Rand sind regelmäßig vier kreisrunde Medaillons verteilt. Das obere zeigt Maria im Strahlenkranz.

Die drei übrigen scheinen sämtlich Wappendarstellungen getragen zu haben. Von ihnen ist lediglich das linke in ausreichendem Umfang kenntlich. Es bildet in Allianz die Wappen der Lüneburger Patrizierfamilien Stoketo und Elvers ab.

Hochzeitsschüssel aus dem 15. Jahrhundert
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Dieses Allianzwappen erlaubt eindeutige Zuordnungen und verhilft zu einer Datierung. Die Eheverbindung, auf die verwiesen wird, betrifft Nikolaus Stoketo (+ 1485) und Margarethe Elvers (+ 1483). Aus der Ehe ging 1460 als einziges Kind eine nach der Mutter benannte Tochter hervor, die 1486 Hartwig Stöterogge heiratete. Es darf angenommen werden, daß die Schüssel zu ihrer Vermählung angefertigt wurde.

Nikolaus Stoketo begann 1456 eine Karriere im Rat der Stadt Lüneburg, die 1472 zur Übernahme des Bürgermeisteramtes führte. 1452 war er Stadtsekretär geworden. Es handelte sich dabei um ein bedeutendes Amt, das ein Studium der Rechte voraussetzte. In seiner Eigenschaft als Stadtsekretär hat Stoketo während des Prälatenkrieges, einer Auseinandersetzung zwischen dem Rat der Stadt und den Anteilseignern der Saline, als Abgesandter am Kaiserlichen Hof und am Heiligen Stuhl eine besondere Rolle gespielt.
Im Zuge dieser Tätigkeit geriet er 1454 kurzzeitig in Gefangenschaft. Sein nicht unbedeutendes Vermögen ging nach seinem Tode überwiegend auf seine einzige Tochter über, deren Ehemann Hartwig Stöterogge (+ 1539) wie sein Schwiegervater in der Ratshierarchie bis zum Bürgermeister aufstieg. Ein prachtvolles Epitaph dieses Paares hat sich in der St. Johanniskirche erhalten.

Die Hochzeitsschüssel, in der bei der Hochzeitsfeier Geschenke gesammelt wurden, stammt also aus patrizischem Milieu. Dem entspricht die aufwendige Gestaltung des Objektes. Weitere solcher Schüsseln Lüneburger Herkunft, gefertigt in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, besitzen das Kunstgewerbemuseum Berlin-Köpenick und das Kunstgewerbemuseum der Stadt Köln.
Dr. Eckhard Michael .

 
 



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