Museum für das Fürstentum Lüneburg
    [Kontakt]    [Archiv]    [Impressum]  
  Sitemap: Das Museum im Überblick    
Spätgotischer Hostienschrank: Objekt des Monats April 2004 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

Objekt des Monats

  Angebote des Museums
 Informationen
 Abteilungen
 Sammlungen
 Veranstaltungen
 Museumsshop
 Geschichte
ArchivArchiv
 Home
 

Spätgotischer Hostienschrank

Zu den besonderen Kostbarkeiten der Museumssammlungen gehört ein um 1510 entstandener bemalter Hostienschrank. Er ist aus Eichenholz gearbeitet, 2,45 m hoch, 98 cm breit und 36 cm tief. Die den Korpus leicht überragende Frontseite besitzt zwei übereinanderliegende Türen, die obere mit halbkreisförmigem, die untere mit geradem Abschluß. Außen läuft ein frei geschnitztes Ornament in Form eines von Laubwerk umrahmten Stabes um. Der begrenzende Rahmen erhebt sich zu einem bekrönenden wimpergähnlichen Gebilde, das mit Krabben besetzt ist. Ehemals scheint dem Ganzen eine Kreuzblume aufgesetzt gewesen zu sein, die heute fehlt.
Der gesamte Schrank ist mit einer roten Grundbemalung versehen. An den Schmalseiten sind darauf goldene Rosetten aufgetragen, die Türen der Vorderseite zeigen szenische Darstellungen in Temperamalerei, die teilweise beschädigt ist. Das Schnitzwerk scheint ursprünglich vergoldet gewesen zu sein.

Türen und Schnitzwerk sind in einem Rahmenverband gearbeitet. Eiserne Bandscharniere, Schlösser und Öffnungsringe der nach links aufschlagenden Türen sind im Original erhalten.

Die Malerei auf der oberen Tür bildet zwei kniende, einander zugewandte Engel ab, die zwischen sich eine große Monstranz emporhalten. Der rechte Engel trägt ein prächtiges, mit Edelsteinen besetztes gelbes Gewand. Seine Flügel sind nicht erhalten. Noch erheblich stärker sind die Verluste der Malerei bei dem rechten Engel und der Monstranz.



Bild vergrößern
 
Auf der unteren Tür ist Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes abgebildet. Das Haupt Christi ist zerstört. Maria trägt über einem blauen Untergewand einen weißen Mantel, der über den Kopf gezogen ist. Johannes, mit grünem Mantel über rotem Untergewand, hält in der rechten Hand einen violetten Buchbeutel.

Zwar ist die Malerei stellenweise zerstört oder beschädigt, in ihren erhaltenen Teilen jedoch weitgehend unangetastet geblieben. Für die Zeit um 1510 erscheint sie altertümlich. Sie entstand in Lüneburg, Einflüsse der lübischen Kunst sind festzustellen.

Schon durch die Malerei auf der oberen Tür wird deutlich, daß es sich um einen Hostienschrank handelt. Er stammt aus dem Hospital zum Großen Heiligen Geist in Lüneburg und wurde bereits 1880 dem Museum überwiesen.

Er gilt als das einzige bekannte Behältnis dieser Art. Überdies bietet er die späteste Hostiendarstellung in Niedersachsen. Es sind nicht nur diese Besonderheiten, sondern auch sein gesamtes Erscheinungsbild, die ihn zu einer herausragenden Kostbarkeit in der ohnehin reich ausgestatteten Kirchlichen Abteilung des Museums machen.
Dr. Eckhard Michael .
 
 



[Home]    [Übersicht Objekte]