Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Objekt des Monats Februar 2004: 2 Totenschilde

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Zwei Totenschilde

Einen besonderen Blickfang in der Kirchlichen Abteilung des Museums bilden zwei Totenschilde der Familie von Meding aus dem späten Mittelalter. Beide Objekte haben zwar einen Teil ihrer Ursprünglichkeit durch mehrere, teilweise unsachgemäße Restaurierungen eingebüßt, ihr charakteristisches Erscheinungsbild jedoch bewahren können. Sie sind aus Eichenholz gefertigt und halten einen Durchmesser von 84 bzw. 86 cm.
Beide zeigen zentral auf blauem, mit goldenen Sternen bestreutem Hintergrund ein geschnitzes, farbig gefaßtes Wappen der Familie v. Meding, im silbernen Feld einen schwarzen springenden Hirschen mit rot-silberner Decke. Außen verlaufen ringförmig auf rotem Grund mit Goldfarbe aufgetragene Inschriften, im heutigen Wortlaut auf dem einen Schild:
"an(n)o d(omi)ni cccclxxxxix jare starf verner van meding marscalk der herscop to Luneb(orch) bid(e)t got vore", auf dem anderen: "anno . d(omi)ni . m . ccccc . xvii . des . sonavend . vor . apolony . vor . starf . boldewin . medinck . dat . em . god . gnedy(ch . sy)".

Sie lauten in der Übertragung in das Hochdeutsche: 'Im Jahre des Herrn 1499 starb Werner v. Meding, Marschall der Herrschaft zu Lüneburg, bittet Gott für ihn' und 'Im Jahre des Herrn 1517 am Sonnabend vor Apollonia verstarb Boldewin Meding; daß ihm Gott gnädig sei'.

Totenschild für Werner von Meding, Lüneburg, St. Michaelis 1499
Totenschild für Werner von Meding
Lüneburg, St. Michaelis 1499

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Totenschilde sind Denkmale des Totengedächtnisses, die für ritterbürtigen Adel und Hochadel entwickelt wurden. Sie entstanden, gewissermaßen abstrahiert, aus dem mittelalterlichen Brauch, über dem Grab eines verstorbenen Ritters seinen Schild aufzuhängen, der häufig sein Wappen trug. Totenschilde zeigen stets das Wappen des Toten und eine kurze Umschrift, die Namen, Todesdatum und eine Gebetsformel enthält. Totenschilde müssen nicht in unmittelbarer Nähe des Grabes angebracht werden.
Die Familie v. Meding gehört zu den Burgmannengeschlechtern der Lüneburger Herzöge. Traditionell versah sie das Amt des Erbmarschalls. Stammsitz war zunächst (Alten-) Medingen im Landkreis Uelzen, im ausgehenden 14. Jahrhundert abgelöst durch die Feste Schnellenberg bei Lüneburg.
Werner v. Meding wird bereits 1454 urkundlich genannt, muß also, als er 1499 starb, ein hohes Alter erreicht haben. Sein Neffe Boldewin, Sohn seines Bruders Heinrich, erscheint urkundlich erstmals 1503.

Im darauf folgenden Jahr erwirbt er gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Brüdern ein Haus in der Techt in Lüneburg. Im Jahre 1513 wird er als Testamentsvollstrecker seiner Mutter Adelheid von Oppershausen eingesetzt, die ihn, seine Ehefrau und seine Tochter Anna als Erben umfangreicher Güter einsetzt. Boldewin v. Meding war mit Gisela v. Plato verheiratet, die 1572 ihr Testament aufsetzen ließ. Sie überlebte demnach ihren Ehemann um viele Jahrzehnte, so daß dieser in jungen Jahren verstorben sein muß.

Totenschild für Boldewin von Meding, Lüneburg, St. Michaelis 1517
Totenschild für Boldewin von Meding Lüneburg, St. Michaelis 1517
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Beide Schilde hingen bis 1792 in der Michaeliskirche, vermutlich in der Nähe der dort bestehenden Gruft der Familie v. Meding. Die Objekte gelangten in das Museum der Ritterakademie und von dort über den Altertums- an den Museumsverein.
Dr. Eckhard Michael
 



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