Bildnis der Äbtissin von Stöterogge
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Das relative kleine Bild ist in Öl auf Leinwand gemalt und hat ohne Rahmen die Abmessungen
49,0 x 35,5 cm.
Die Äbtissin erscheint in Dreiviertelfigur, vor einer Draperie auf einem Lehnstuhl an einem Tisch sitzend. Sie trägt Amtsornat mit schwarzem Untergewand, weißer Schürze, weißem Schulterkragen und weißer, spitzenbesetzter Haube. Mit der linken Hand hält sie den auf ihrem Oberarm ruhenden Äbtissinnenstab.
Mit dem ausgestreckten Zeigefinger der rechten Hand weist sie auf ein vor ihr auf dem Tisch liegendes aufgeschlagenes Buch. Darin ist zu lesen: SPES MEA CHRIST(US), "Christus ist meine Hoffnung".
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Vorhang, Stuhlbezug und Tischdecke sind in einem einheitlichen Rot wiedergegeben. In der rechten oberen Ecke des Bildes ist das Wappen der Äbtissin dargestellt, darunter erscheinen in zwei Zeilen die Buchstaben E.C.V.St. / AIM.
Gibt bereits das Wappen Hinweise auf die Identität der Dargestellten, so verhilft die Auflösung der Buchstabenkürzungen zu einer eindeutigen Zuordnung: Elisabeth Catharina von Stöterogge, Abbatissa in Meding.
Die Äbtissin war eine Tochter des Lüneburger Patriziers Brand Ludolf von Stöterogge (1641 - 1722), der von Kaiser Karl VI. die Aufnahme in den Reichsadelsstand als "Edler Herr von Stöterogge" erwirkte. Er gehörte dem Rat der Stadt seit 1671 an, 1688 wurde er Bürgermeister, 1713 Propst zu St. Johannis in Lüneburg. 1670 hatte er Catharina Kröger geheiratet, die letzte Angehörige einer ebenfalls lüneburgischen Patrizierfamilie.
Elisabeth Catharina wurde 1679 als fünftes von neun Kindern geboren. 1704 trat sie als Konventualin in das Kloster Medingen ein. 1722 erfolgte ihre Wahl zur Äbtissin. Ihr Amt übte sie bis zu ihrem Tod im Jahre 1741 aus. Es wird berichtet, sie habe die Klostertracht durch Ablegen des großen runden Kragens vereinfacht. Da sie hier aber mit einem solchen Kragen dargestellt ist, dürfte das Portrait aus dem Jahr ihres Amtsantritts stammen, also in das Jahr 1722 zu datieren sein. Der Maler ist nicht bekannt. Der Äbtissinnenstab, den sie als Zeichen ihrer Würde hält, existiert noch heute. Er wurde 1494 von dem Lüneburger Goldschmiedemeister Hermen Worm gefertigt.
Ohnehin waren die Verbindungen zwischen Medingen und Lüneburg sehr eng. Das Kloster hatte sich zu einer von den Töchtern des Patriziats besonders bevorzugten Einrichtung entwickelt. 1706 wurde sogar verfügt, daß zwei Drittel der Konventualinnenplätze an Patriziertöchter zu vergeben sind, ein Drittel an Töchter höherer Staatsbeamter. Entsprechend ist bei der Wahl der Äbtissin zu verfahren, so daß in steter Folge zweimal hintereinander Patriziertöchter zu wählen sind, danach einmal eine Konventualin aus dem übrigen Kreis.
Dr. Eckhard Michael
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