Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Silberner Deckelkrug, um 1540: Objekt des Monats September 2005 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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Silberner Deckelkrug, um 1540

Der nicht sehr große, etwa 20 cm hohe silberne Krug erhebt sich auf mehrfach profiliertem Fuß. Die Wandung des Gefäßkörpers verjüngt sich nach oben hin und schwingt dabei leicht nach innen. Sieben nebeneinanderstehende Vertiefungen, als Arkadenstellungen mit nach oben wie nach unten abschließenden Kleeblattbögen ausgebildet, umziehen den Krug.
Der prall gewölbte Deckel ist durch ein Scharnier mit dem weit ausladenden Henkel verbunden und trägt eine kräftige Daumenrast. Auf der balusterförmigen Bekrönung steht ein Putto als Wappenhalter. Der bislang nicht identifizierte Wappenschild zeigt einen Sparren mit drei Rosen und die Initialen L W.

In die vertieften Bildfelder der Wandung sind Darstellungen der sieben Planetengötter mit ihren zugehörigen Tierkreiszeichen und Namenbeischriften graviert. Es sind Saturn, Jupiter, Mars, Sol (Sonne), Venus, Merkur und Luna (Mond).

Aufgrund dieses Bildschmucks wird der Krug auch als Planetenbecher bezeichnet. Als Vorlage hat vermutlich eine Kupferstichserie von Virgil Solis (1514 - 1562) gedient, bei der es sich um die spiegelbildliche Wiedergabe einer Serie von Hans Sebald Beham (1500 - 1550) handelt.


Silberner Deckelkrug, um 1540: Objekt des Monats September 2005 im Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Schon im Altertum hat man Planetengötter auf Trinkgefäßen abgebildet. Seit der Antike ist die auf dem Krug gegebene Reihenfolge der Götter bekannt. Sie orientiert sich an der vermeintlichen Entfernung der Planeten von der Erde bzw. ihren Umlaufzeiten. In dieser Abfolge gelten sie als Stundengötter, die über die Stunden herrschen. In Viererschritten läßt sich zusätzlich die Reihenfolge der Wochentagsgötter ermitteln. Beginnt man bei Luna (Mond) zu zählen, wobei Anfang und Ende einzubeziehen sind, erreicht man Mars, von dort Merkur usw. Es wird also ein astrologisch bestimmtes Bildprogramm entfaltet, das die Herrschaft der Planeten als Stunden- und Tagesgötter symbolisieren soll.

Unter dem Boden befinden sich zwei Probierstiche sowie drei eingeschlagene Marken, von denen eine unkenntlich ist. Die beiden anderen zeigen die Lüneburger Beschau und das Meisterzeichen J G in Ligatur. Somit ist der Krug als Arbeit des Lüneburger Goldschmiedes Jochim Gripswold identifiziert, der 1519 Meister wurde und nach 1561 starb.

Der Krug kann als wichtiges Zeugnis für die Qualität der Lüneburger Goldschmiedekunst im 16. Jahrhundert gelten. Es handelt sich um dieselbe Zeit, in der auch die bedeutendsten Stücke des Ratssilbers entstanden. Zugleich ist der Krug mit seinem Bildprogramm ein typisches Erzeugnis der Renaissance, die sich auf die Antike bezog und naturwissenschaftliche Orientierung bevorzugte.
Dr. Eckhard Michael
 



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