Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Gußeiserner Ofen mit Fayenceaufsatz : Objekt des Monats Januar 2005 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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Gußeiserner Ofen mit Fayenceaufsatz

 
Der repräsentative, im ganzen über 3 Meter hohe Ofen gehört stilistisch zwei verschiedenen Epochen an. Der Untersatz aus Gußeisen, inschriftlich auf 1693 datiert, ist in seinen Formen barocker Gestaltung verpflichtet, während der aus Fayence gefertigte Aufsatz von Elementen der "Zopfzeit" geprägt ist, die vom Rokoko zum Klassizismus überleitet, und demnach um 1785 entstanden sein kann.

Es handelt sich um einen sogenannten Fünf-Platten-Ofen, der wandfest im Raum aufgestellt war und von außen beheizt wurde. Der Untersatz auf längsrechteckiger Grundfläche ist 92 cm hoch, 81 cm breit und 91 cm lang. Er steht auf fünf etwa 17 cm hohen gedrehten Füßen aus Eisen. Die senkrecht stehenden Front- und Seitenplatten sind verziert.

Gußeiserner Ofen mit Fayenceaufsatz: Objekt des Monats Januar 2005 im Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Frontplatte
Die Frontplatte zeigt in erhabenem Guß das große, zwölffeldrige Wappen des Neuen Hauses Braunschweig. Oberhalb der zum Wappen gehörigen fünf Helme steht die vierzeilige Inschrift: VON GOTTES GNADEN RUDOLPH / AUGUSTUS UND ANTHON ULRICH / GEBRUDERE HERTZOGE ZU / BRAUN: UND LUNABURG, unterhalb des Wappens die Devise:

REMIGIO ALTISSIMI UNI(us), auf Deutsch: "Nach dem Willen des Einen Höchsten". Über dem Wappen erscheint eine Herzogskrone, unten in einer Barockkartusche die Jahreszahl 1693. Engelsköpfe und Rosetten ornamentieren die Seitenflächen.
 
Die beiden Seitenplatten sind - ebenfalls im Hochrelief - identisch gestaltet. In ein längsrechteckiges Feld ist ein Oval einbeschrieben. Die Zwickel sind mit Laubwerk und Früchten besetzt. Im Oval erscheint ein nach schräg vorn springendes Pferd über einer Darstellung des Welfenschlosses in Wolfenbüttel. Unterhalb des oberen Randes des Ovals findet sich wiederum die Devise REMIGIO ALTISSIMI VNI(us). Über dieser Ornamentfläche ist mittig eine Krone zu sehen, ebenso in den beiden unteren Ecken der Platte. Engelsköpfe und Rosetten bilden weiteren Schmuck.
Seitenplatte
Der etwa 2,25 Meter hohe, mehrteilige Aufsatz ist aus braunmarmorieter Fayence gefertigt. Er steht auf der gußeisernen Deckplatte des eigentlichen Ofens und springt vorn und seitlich gleichmäßig um etwa 6 cm zurück. Auf mehrfach profilierter Platte und Kehle erhebt sich der Sockel mit schlichter Wandung. Er schließt mit Profil, Kehle und Wulst ab. Darauf erhebt sich die Plinthe eines Mittelstückes, das die rechteckige Grundfläche zu einer kreisrunden überführt. Die Wandung ist beiderseits mit zwei gekreuzten Fackeln im Relief belegt. Auf der nunmehr kreisrunden Fläche steigt ein kannelierter zylindrischer Körper auf, der unten durch einen mit Tänien umschlungenen, mehrfach profilierten Wulst, oben durch Eierstab und Platte abgeschlossen ist.

Das letzte Element des Aufsatzes ist ein mehrstufig sich verjüngender Fuß, der als Bekrönung eine Urne trägt. Dem zylindrischen Körper ist in seinem oberen Teil plastischer Schmuck appliziert. Vorn erscheint ein Antikenkopf im Oval, von einem mit den für die "Zopfzeit" typischen Schleifen verzierten Nagel herabhängend. Analog gestaltet, befindet sich links ein Pflanzenornament im Oval, während rechts eine Rocaille angebracht ist, die stilistisch in die Rokokozeit zurückweist.

Der Ofen stammt aus dem Kapitelsaal des 1850 aufgehobenen Stifts St. Peter und Paul in Bardowick. Ob er zu Ende des 18. Jahrhunderts, also zur Entstehungszeit des Aufsatzes, unter Verwendung der älteren Gußeisenteile neu entstand oder ob zu der Zeit einem bereits vorhandenen älteren Ofen ein neuer Aufsatz hinzugefügt wurde, ist nicht zu klären.

Hervorzuheben sind die Bezüge, die durch die Ofenplatten zum welfischen Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel hergestellt werden. Die genannten "Gebrudere" Rudolf August und Anton Ulrich, Söhne des aus der Dannenberger Nebenlinie stammenden Herzogs August d. J., dem Wolfenbüttel 1635 übertragen worden war, regierten seit 1685 gemeinsam, nachdem Rudolf August als Nachfolger seines Vaters ab 1666 die Herrschaft zunächst allein geführt hatte. Nach dem Tode seines Bruders war Anton Ulrich, die bedeutendere Persönlichkeit von beiden, von 1704 bis 1714 Alleinregent.

Anton Ulrich verkörperte den Typus eines kleindeutschen Barockfürsten mit allen Facetten. Umfassend begabt, trat er als Schriftsteller, Kunstsammler und Bauherr hervor. Konstante in seinem politischen Handeln war der Kampf gegen die Kurwürde, die seine hannoverschen Vettern für ihr Haus erwarben. Sein kleines Territorium führte er in eine beispiellose kulturelle Blütezeit, hinterließ es allerdings bei seinem Tode 1714 mit hohen Schulden. Während von dem monumentalen Barockschloß Salzdahlum, das er nach dem Vorbild von Versailles errichten ließ, allenfalls geringfüge Spuren erhalten sind, lebt seine Kunstsammlertätigkeit in den Grundbeständen des Herzog Anton Ulrich-Museums in Braunschweig bis heute fort.
Dr. Eckhard Michael .
 



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