Vorderwand einer Truhe von 1613 |
| |
Die prächtige Stirnwand der Truhe besteht aus Eichenholz. Sie ist 72,5 cm hoch und 201,5 cm breit, reich geschnitzt und bemalt.
Obwohl Seitenteile und Rückwand des Möbels verloren sind, hat sich der Charakter eines repräsentativen Stücks deutlich erhalten.
|
Bild vergrößern
|
Die Wand ist in strenger Symmetrie architektonisch gegliedert. Jeweils außen stehen zwei gleichartig gestaltete plastische Atlanten- und Karyatidenpaare, die je eine geschnitzte Wappendarstellung über Kassettenwerk rahmen. Ein drittes, andersartig ausgeführtes Paar in der Mitte flankiert das Schloß der Truhe. In die durch diese Gliederung entstandenen beiden Felder sind im Relief zwei geschnitzte Bogenarchitekturen mit Architrav eingearbeitet, in den Zwickeln mit Engelsköpfen verziert. Die Bogenfelder sind durch gemalte Vasen mit Blumen und Früchten ausgefüllt. Diese Malerei ist ihrem Stil nach nicht der Spätrenaissance zuzuordnen, sondern mag erst im 18. Jahrhundert aufgebracht worden sein. Den oberen Abschluß der Wand bildet ein durchlaufender Zahnfries.
Die Wappen sind links das der Familie Gering, rechts der Patrizierfamilie von Dassel. Sie beziehen sich auf den 1574 geborenen Franz Gering, Sohn des Stadtsekretärs Johannes Gering, und Anna von Dassel (1589 - 1624), Tochter des Barmeisters, also Leiters des technischen Betriebes der Saline, Ludolf von Dassel. Beide heirateten im Jahre 1613. Die Truhe wird aus Anlaß der Eheschließung angefertigt worden sein, so daß sich daraus die recht sichere Datierung ergibt.
Das Stück gehört zum alten Bestand des Museums.
Dr. Eckhard Michael
|
|
|