Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Kelch und Patene der Garnisongemeinde, 1663: Objekt des Monats Juni 2006 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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Kelch und Patene der Garnisongemeinde, 1663

Das äußerlich nicht sehr spektakuläre Abendmahlsgerät ist in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Kelch und Patene bestehen aus vergoldetem Silber.
Der Kelch ist ca. 24 cm hoch, der Durchmesser des Fußes beträgt 15 cm. Der sechspassige Fuß erhebt sich über Kehle und breiter Platte. Die Pässe sind flach und werden durch Grate in den steil ansteigenden Fußhals überführt. Einer der Pässe zeigt in Gravur das Monogramm CL. Der Schaft trägt einen runden Nodus und ist durch Profile gegen Fußhals und Kuppa abgesetzt. Der Nodus zeigt sechs rhombenförmige Rotuli mit gravierten Blüten, in den Zwickeln erscheinen getriebene Lanzettformen mit floralem Ornament.

Die hohe, glockenförmige Kuppa erhebt sich aus einer schlichten Manschette. Die Patene besitzt einen nur leicht vertieften Spiegel. Am Rand erscheint wiederum das Monogramm CL, hier innerhalb eines Lorbeerkranzes. Kelch und Patene sind beiderseits der Monogramme gemarkt. Es erscheinen die Lüneburger Beschau und die ligierten Buchstaben NM im Kreis.

Kelch und Patene der Garnisongemeinde, 1663: Objekt des Monats Juni 2006 im Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Die Meistermarke verweist auf Niclas Meier. Aus Lübeck stammend, wurde er 1643 Meister in Lüneburg. 1675 lebte er nicht mehr. Die Lüneburger Kirchengemeinden St. Johannis und St. Nicolai besitzen Werke von ihm, das Museum zeigt einen von ihm um 1650 gefertigten Walzenkrug mit Deckel, eine sogenannte Hansekanne, ehemals benutzt als Willkomm des Fischmengeramtes. Sein hier vorzustellendes Abendmahlsgerät folgt formal gotischen Vorlagen und bietet damit ein Beispiel für "historistische" Gestaltung in der Barockzeit. Auch in der Architektur jener Epoche sind Rückbezüge zur Gotik nicht selten.

Das Monogramm CL bezeichnet den Schenkgeber von Kelch und Patene, den welfischen Herzog Christian Ludwig (1622 - 1665), der seit 1648 das Fürstentum Lüneburg regierte. Er war in kinderloser Ehe mit Dorothea von Schleswig-Holstein verheiratet, die nach seinem Tode zweite Ehefrau des "Großen Kurfürsten" Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Preußen wurde. Das Abendmahlsgerät ist eng mit der Geschichte der Lüneburger Garnison verbunden.

Noch im Dreißigjährigen Krieg endete die im späten Mittelalter erkämpfte Selbständigkeit der Stadt Lüneburg. Der Landesherr hatte alle Machtpositionen wiedergewonnen, die zuvor Stück für Stück hatten abgegeben werden müssen. Ein äußerlich sichtbares Kennzeichen dessen war die Tatsache, daß Lüneburg 1640 herzogliche Garnisonstadt wurde. Der Kalkberg mußte an den Fürsten abgetreten werden und wurde zur Festung ausgebaut. 1651 waren diese Arbeiten abgeschlossen, eine ständige Besatzung zog ein. Damit war die selbständige Garnisongemeinde entstanden.

1652 wurde ein Garnisonprediger angestellt. 1661 begann man etwa auf halber Höhe des Kalkberges mit dem Bau einer Garnisonkirche aus Fachwerk. 1663 wurde sie geweiht. Doch bereits 1783 mußte die Kirche wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Bis heute erinnert ein Obelisk an den Platz, an dem sie stand. Die Garnison mietete für ihre Gottesdienste zunächst die Marienkirche beim Rathaus an, die bis 1794 benutzt wurde. Danach wurde die Garnisongemeinde mit der Michaelisgemeinde vereinigt, Garnisonkirche war nunmehr die Michaeliskirche.

Zur Weihe der ersten Kirche schenkte der Herzog 1663 Kelch und Patene als Zeichen seiner Verbundenheit mit der Garnisongemeinde.
Dr. Eckhard Michael
 



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