Abschlußornamente einer Wandvertäfelung, um 15302
Es handelt sich um neun gleichartige, aus Eichenholz geschnitzte Tafeln, die jeweils ca. 25 cm hoch und 45 cm lang sind. Acht von ihnen gehören zum originalen Bestand, die neunte, ein Medaillon mit Jünglingskopf enthaltend, wurde um 1880 nach dem Vorbild der übrigen neu angefertigt. Die ursprüngliche Gesamtzahl der Tafeln ist unbekannt, mit Gewißheit lag sie höher als heute.
Die durchbrochen geschnitzen Felder sind im formalen Aufbau vergleichbar. Jeweils paarweise erscheinen Engel, Putten, männliche und weibliche groteske Gestalten oder Tiere. Häufig ist in der Mitte eine Wappendarstellung mit den Schildfiguren der Lüneburger Patrizierfamilien Bardewicks und Lange "mit dem Panthertier" sowie der Familien Haker und Bomgarden (?) zu sehen. In der Ornamentik mischen sich Formen der späten Gotik mit solchen der Frührenaissance.
Die heraldischen Darstellungen deuten auf die 1528 geschlossene Ehe zwischen dem als promovierter Jurist in die Dienste des Rates der Stadt getretenen Johann Haker und der aus dem Lüneburger Patriziat stammenden Beata Bardewicks hin. Sie war eine Tochter des Hermann Bardewicks (+ 1527) und der Gesche Lange (+ 1528) und zum Zeitpunkt der Eheschließung bereits zweimal verwitwet.
Ihr erster Ehemann war der Patrizier Heinrich Stöterogge, der zweite der Barmeister Carsten Schuldorp. Ihre dritte Ehe ermöglichte dem wohl aus Pommern gebürtigen Haker einen sozialen Aufstieg, so daß er 1531 in den Rat gewählt, 1538 unter die Sülfmeister aufgenommen und schließlich 1541 mit dem Amt des Sodmeisters betraut wurde.
Seine Aufnahme in das Patriziat spiegelt sich in den Wappendarstellungen der hier behandelten Tafeln. Sie dienten mit mehreren anderen als oberer Abschluß einer Wandtäfelung in einem repräsentativen Wohnraum des Hauses Am Markt 2. Noch im 16. Jahrhundert ging das Haus an die Familie von Dassel über. 1873 wurde es abgebrochen.
Die Eichenholztafeln erwarb der Regierungsrat Wilhelm Möller, ein Altertumssammler. Um 1880 ließ er sie als Schmuckbestandteile einer Kommode verarbeiten. Vier zugehörige Füllungen wurden 1903 an das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg verkauft, die neun Tafeln des Museums 1958 aus Privatbesitz erworben.
Dr. Eckhard Michael
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