Der älteste archäologische Fund Lüneburgs?
Axt der Bandkeramik, gefunden in der "Ilmenau zwischen Lüne und Bardowick",
Fundort: In der Ilmenau zwischen Lüne und Bardowick, Inv.-Nr. 812.
|
Diese Axt, eines der ersten archäologischen Zeugnisse einer sesshaften Bauernkultur in hiesigen Breiten, wurde in der Ilmenau zwischen Lüne und Bardowick entdeckt. Sie wird aufgrund ihrer Form als "Schuhleistenkeil" bezeichnet und datiert in das 6. Jahrtausend v. Chr. Geburt.
Bereits im 19. Jahrhundert gelangte sie in die Lüneburger Museumssammlung.
Es darf jedoch bezweifelt werden, dass dieses Stück ursprünglich auch heimischer Fertigung entstammte.
|
Bild vergrößern
|
Zudem handelt es sich um einen Flussfund. Damit reiht sich auch das Lüneburger Exemplar ein in eine ganze Reihe zeitgleicher Fundstücke, die entlang der Elbe und ihrer Nebenflüsse gefunden wurden. Die Nähe zu diesen Wasserstraße gestattet die Vermutung, dass jene frühen Äxte auf dem Handelswege in nördliche Breiten gekommen sind. Sie sind ganz offensichtlich die Relikte der ersten Kontakte zwischen den Jägern und Sammlern des Nordens und den ersten Ackerbauern, die ihre Felder auf den fruchtbaren Lößböden des Harzvorlandes angelegt hatten. Ferner zeigen sie auch, dass jene Kontakte wohl nicht - wie manche Pfeile auf den Kartenwerken von Schulatlanten glauben machen wollen - durch Wanderungen einzelner Völker erklärt werden sollten, sondern dass man sich diese stattdessen als eine Art "Technologietransfer" vorstellen muß, der sich auf den Handelswegen vom vorderen Orient, dem Ursprungsgebiet des Ackerbaus, bis hin in den Norden vollzog.
Der Fundort dieser frühen Axt liegt interessanterweise nicht weit entfernt von der Stelle, an der man auch die ältesten Zeugnisse menschlicher Anwesenheit überhaupt im Lüneburger Raum fand. Diese, insgesamt 56 Faustkeile, datieren allerdings noch in die Zeit der Neandertaler, die sich seinerzeit noch weit entfernt von irgend welcher Form von Seßhaftigkeit befanden.
Von einer durchgehenden Besiedlung des späteren Stadtgebietes konnte damals keine Rede sein; jahrtausendelange Kaltzeiten schlossen ein dauerhaftes Verweilen hierzulande noch für eine unvorstellbar lange Zeit aus.
Dennoch weist der Fundort, gelegen zwischen Flußbett und der Höhe des Zeltberges, bereits auf günstige Voraussetzungen, die dann - wenn auch erst sehr viel später - zur Anlage erster Siedlungen führen sollten.
Dass sich auch der einst weitaus größere Kalkberg diesen frühen Bewohnern des Lüneburger Raumes als Zufluchtsort anbot, vermutete bereits Wilhelm Reinecke, Lüneburgs Stadtchronist. Er berichtete von Steinwerkzeugen, kleinen Feuersteinklingen, die bis heute mehrfach auf verschiedenen Fundplätzen des Ilmenaugebietes gefunden wurden.
Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Ansiedlung der ersten Menschen im Raum der späteren Stadt Lüneburg war mit Sicherheit die Nähes eines Flusses, der den ersten Bauern nicht nur Wasser liefern, sondern ihnen auch als Handelsweg dienen konnte.
Von der Bedeutung dieser frühen Handelswege der jüngeren Steinzeit zeugen heute noch die zahlreichen, aus großen Findlingssteinen errichteten Steingräber, ebenfalls der jüngeren Steinzeit entstammend, entlang der Elbe, der Neetze oder der Luhe; die weithin bekannte Oldendorfer Totenstatt ist nur eines dieser Beispiele.
Auch die ältesten Siedlungsspuren aus Rullstorf, der wohl größten Grabung vor den Toren Lüneburgs, gelegen am Rande des Urstromtales der Elbe, datieren in diese Zeit.
Dietmar Gehrke
|
|
|