Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Reste eines Epitaphs, 1574: Objekt des Monats September 2007 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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Reste eines Epitaphs, 1574

Von dem Epitaph haben sich - teilweise beschädigt - die Hauptdarstellung, eine Schrifttafel sowie zwei Kolumnen von Ahnenwappen erhalten. Alle Bestandteile wurden nach einer 1981 erfolgten grundlichen Restaurierung auf eine 1,46 m hohe und 1,11 m breite Holzplatte montiert. Die Reste bestehen aus Lindenholz und sind farbig gefaßt.

Die Mitteldarstellung zeigt vor einem roten Vorhang ein auf Kissen kniendes, einander zugewandtes Ehepaar im Gebet unter einem hohen Kreuz. Die Figur des Gekreuzigten fehlt. Der Ehemann, vom Betrachter aus links, trägt Rüstung. Helm und Handschuhe sind vor seinen Knien auf dem Boden abgelegt. Sein Haupthaar und Vollbart sind sorgfältig frisiert. Seine Ehefrau trägt ein Untergewand mit gefältelter Halskrause und reich plissierter Schürze, darüber einen glatt herabfallenden Mantel. Ihr Haar ist unter einer weißen Haube verborgen.

Reste eines Epitaphs, 1574: Objekt des Monats September 2007 im Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Über jeder Person hängt vom oberen Rahmenrand eine mit Roll- und Pflanzenwerk verzierte Schrifttafel herab, die wiederum mit einem großen Vollwappen aus Schild, Helm, Helmzier und Helmdecken verbunden ist. In den Schrifttafeln steht links: "VNA SALVS NVLLAM / EX MERITIS SPERARE SALVTEM", rechts: "IVSTIFICAT GRATIS / SOLA FIDES HOMINEM". Es handelt sich um zwei zusammengehörige Verse, ein Distichon, die in der Übertragung lauten: "Es gibt nur ein alleiniges Heil. Aufgrund persönlicher Verdienste ist keine Erlösung zu erhoffen. Es ist ausschließlich der Glaube, der dem Menschen - ohne aufzurechnen - Gerechtigkeit widerfahren läßt".

Die beschädigte Schrifttafel unterhalb des Mittelfeldes nennt die Namen der beiden Dargestellten und verhilft somit auch zu einer Identifizierung der beiden zugeordneten Wappen. Es heißt auf der Seite des Mannes: "ITELIVS RVVS A CHRISTO NATO MDXIIII / IN LVCEM SUSCEPTVS, ANNO VERO LXXIII / VLTIMO DIE DECEMBRIS MORTVVS EST" (Eitel Rau ist im Jahre nach der Geburt Christi 1514 in das Licht aufgenommen worden, im Jahre (15)73 indessen am letzten Tage des Dezember gestorben"). Auf der Seite der Frau steht, soweit der Text noch erhalten ist: "MARGARETA A BADENDOR(P) ... / QVAM ANNO XX ACCEPIT; ANNO .../...DIE ... DEFVNCTA (EST)" ("Margarethe von Bodendorf..., die (15)20 (das Leben) annahm, ist im Jahre ... am Tage ... gestorben"). Hier sind in der letzten Zeile Stege freigelassen, die das Todesdatum nachträglich aufnehmen sollten.

Die Rahmen der seitlich angebrachten Wappenkolumnen wurden 1981 größtenteils ergänzt. Nur wenige Beischriften haben sich erhalten. Auf der Seite des Mannes erscheinen die Wappen der Adelsfamilien Rau, Schleier, Storndorf, Gilsa zu Roppershausen, Merlau, Schabe zu Staufenberg und Schenck zu Schweinsberg. Auf der Seite der Frau fehlt des oberste Wappen, dann folgen Bothmer, Dannenberg, Knesebeck, Bibow, Pentz und Oertzen.

Eitel Rau von Holzhausen war jüngerer Sohn einer hessischen, in der Nähe von Marburg ansässigen Adelsfamilie. Er blieb zwar in Hessen begütert, trat aber in die Dienste norddeutscher Fürsten. 1539 ist er als Amtmann in Ebstorf (Landkreis Uelzen) und einer der adeligen Räte Herzogs Ernst des Bekenners bezeugt. 1543 übertrug ihm Ernst einen herzoglichen Hof in Barum bei Ebstorf auf Lebenszeit. Drei Jahre später trat Rau als Gesandter im Auftrag des mecklenburgischen Herzogs Albrecht VII. auf, anscheinend der Beginn einer längeren Tätigkeit in Mecklenburg, denn 1557 erscheint er als Rat und Hofmarschall des Herzogs Johann Albrecht. Gegen Ende seines Lebens muß er in näheren Beziehungen zu den Herzögen von Sachsen-Lauenburg gestanden haben. Es wird berichtet, daß er die 1569 erfolgte Eheschließung zwischen dem welfischen Herzog Heinrich und der lauenburgischen Prinzessin Ursula maßgeblich gefördert hat. In seinem Todesjahr 1573 ist er im Besitz des lauenburgischen Schlosses Neuhaus (Landkreis Lüneburg).

Die wenigen zu ermittelnden Daten reichen nicht aus, um eine lückenlose Biographie Raus darzustellen, sind aber dennoch so aussagekräftig, daß man zu einer Würdigung seiner Persönlichkeit gelangen kann. Er zählt zu den im 16. Jahrhundert auffällig häufig anzutreffenden Angehörigen des niederen Adels, die sich durch Mobilität, Risikobereitschaft und unternehmerische Qualitäten teilweise bedeutende Positionen erarbeiten und einen im Vergleich zum Mittelater neuen Typ des Adeligen repräsentieren. Die bedeutendsten Vertreter dieser Gruppe waren die "Kriegs-obristen", die meistens eigene Truppen anmieteten uns sich mit diesen in die Dienste verschiedener Herren stellten und dadurch zu beträchtlichem Reichtum kamen. Kennzeichnend war für sie auch gewinnbringender Umgang mit ihrem Vermögen. Ähnliches muß auch für Rau gegolten haben. Sowohl den welfischen als auch den lauenburgischen Herzögen hat er Geld in beträchtlichem Umfang geliehen; der Hof in Barum und das Schloß in Neuhaus erhielt er als Gegenleistung bzw. Pfandschaft.

Familiär war er dem Adel des Landes verbunden. 1542/43 heiratete er die aus einem erloschenen wendländischen Adelsgeschlecht stammende Margarethe von Bodendorf, seit 1540 Witwe des Tönnies von Plato. Zwei aus dieser Verbindung stammende Töchter sind bekannt, Anna und Abel. Sie schlossen Ehen mit Brüdern, Johann dem Älteren und Johann dem Jüngeren von Holle, die beide Kriegsobristen waren. Ein weiterer Bruder war Eberhard von Holle, Abt des Michaelisklosters in Lüneburg.

Das künstlerisch bedeutsame Epitaph für das Ehepaar Rau ist Zeugnis für Adelsstolz und tiefe Verankerung im evangelischen Glauben zugleich. Die Wappen stellen jeweils eine Ahnenprobe auf, die Texte mit Bezug auf die Gnade Gottes vermitteln geradezu den Kerngedanken des Protestantismus. Das Ehepaar - Margarethe Rau starb 1578 - erhielt sein Begräbnis in der Lüneburger St. Michaeliskirche, was vermutlich auf Beziehungen zu dem Abt von Holle zurückzuführen ist, der als überzeugter Protestant möglicherweise auch an der Planung für das Epitaph beteiligt war.

Das Kunstwerk gelangte aus der Michaeliskirche in den Grundbestand der Museumssammlungen und erlitt 1945 durch Kriegseinwirkungen empfindliche Beschädigungen. Die 1981 erfolgte Restaurierung läßt einen Eindruck vom ursprünglichen Zustand entstehen.
Dr. Eckhard Michael
 



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