Mittelgruppe eines spätgotischen Flügelaltars
Die aus Eichenholz geschnitzte, ca. 110 cm hohe Figurengruppe besteht aus zwei einander zugeordneten Teilen. Ungefähr in der Mitte der Darstellung stehen sich Christus und seine Mutter Maria gegenüber. Hinter Christus erscheinen die Jünger Johannes und Petrus, neben Maria ist eine weitere Frau abgebildet, dahinter erkennt man zwei männliche Begleiter.
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Alle Figuren sind vollständig abgelaugt, Fassungsreste sind nicht mehr vorhanden. Der zugehörige Schrein wurde infolge der Bombardierung des Museums im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Er besaß auf der Rückwand goldenes und grünes Granatapfelmuster und eine eingestellte geschnitzte Baldachinarchitektur mit abschließendem Sterngewölbe.
Der heutige Schrein ist mit Absicht als reines Behältnis gestaltet.
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Angesichts der Malerei auf den beiden Flügelinnenseiten des Altars, die links das Abendmahl, rechts Christi Gebet in Gethsemane zeigt, ist auch für die geschnitze Mittelgruppe eine Interpretation zu suchen, die auf die Passion Christi verweist. Dieser Verweis ergibt sich, wenn man in der Darstellung den Abschied Jesu von seiner Mutter sieht. Diese Zwischenszene der Passionszyklen, in der zeitlichen Abfolge vor dem Abendmahl einzuordnen, erscheint relativ selten. Sie ist in der Bibel nicht beschrieben, sondern geht auf legendarische Überlieferungen zurück. Sie begegnet in der christlichen Kunst erst im späten Mittelalter. Besonders populär wurde sie durch die Graphik Albrecht Dürers, der sie - in deutlich abweichender Ikonographie - in sein Marienleben und die Kleine Passion aufnahm. Weitere Belege finden sich in der italienischen Renaissancemalerei.
Die qualitätvolle Lüneburger Gruppe zeigt alle Gestaltungsmerkmale der ausgehenden Gotik, so daß man eine Datierung um 1525 vorgeschlagen hat. Der Faltenwurf ist scharf, man beobachtet hohe Gewandaufschwünge und stark gestauchte Gewandsäume. Gelegentlich werden die Figuren einem namentlich nicht bekannten nordniederländischen Künstler zugeschrieben. Sollte diese Zuweisung zutreffen, handelte es sich um Importware.
Der gesamte Altar stand im 18. Jahrhundert in dem zum Michaeliskloster gehörigen Hospital St. Benedicti im Bereich Salzbrücker Straße/In der Techt. Als die Baulichkeiten 1782 abgebrochen wurden und vis-a-vis das bis heute bestehende Hospitalgebäude errichtet wurde, gelangte der Altar in die Michaeliskirche und wurde von dort 1879 in die Sammlungen des Museumsvereins überführt.
Dr. Eckhard Michael
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