Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Fragment eines Epitaphs, 1601: Objekt des Monats Mai 2007 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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Fragment eines Epitaphs, 1601

Das in zwei Teile zerbrochene Fragment ist 81 cm hoch und 168 cm breit. Es besteht aus rotem Marmor. Bei dem Stück handelt es sich um den unteren Teil einer monumentalen Platte, die eine Gesamthöhe von etwa 3,40 m gehabt haben dürfte.

Aus der aufwendigen bildhauerischen Gestaltung des Fragments läßt sich mühelos erschließen, daß die ursprünliche, intakte Platte einen repräsentativen Charakter besessen hat.

Fragment eines Epitaphs, 1601: Objekt des Monats Mai 2007 im Museum für das Fürstentum Lüneburg
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In den beiden äußeren Ecken des Fragmentes befinden sich jeweils innerhalb eines Inschriftenringes in kräftigem Relief ausgeführte patrizische Allianzwappen, vom Betrachter aus links Mutzeltin und Töbing mit der Beischrift "ALBERT MVTZELTIN ANNA TOBINGES VXOR", rechts Düsterhop und Brömse mit "DIDERICH DVSTERHOP SOPHIA BROEMES VXOR". Es werden also konkrete Bezüge hergestellt zu patrizischen Herren und ihren Ehefrauen ("uxor"). Am unteren Rand der Platte ist zwischen den beiden Wappendarstellungen zu lesen: "ANNO DO... 1 60 1". Darüber erscheint üppiges Renaissanceornament aus Rollwerk mit applizierten Fruchtgehängen. Der Anordnungung dieses Ornaments ist zu entnehmen, daß es sich um die Rahmung eines rechteckigen Inschriftfeldes gehandelt hat. Von den beiden letzten Zeilen des darin enthaltenen Textes haben sich einige Reste erhalten. Es heißt dort: "AGNITIONE FILII DEI...... / AETATIS 43 VIDUA RELICTA ET FIL....". Auch am linken Rand des Fragments finden sich Reste einer Inschrift: "D(OMI)N(U)S GEORGIV...."

Die beschriebenen Befunde erlauben es, einen eindeutigen Bezug herzustellen zu einem "Monument", das Johann Heinrich Büttner in seinem 1704 veröffentlichten Kompendium über das Lüneburger Patriziat unter Abdruck der darauf befindlichen Inschriften erwähnt. Er teilt mit, daß der Stein "ehemahls in St. Joh. Kirchen befindlich war, nunmehro aber weggehauen ist."

Nach Büttner lautete die gesamte Umschrift: "Dominus Georgius Mutzeltin natus anno christi 1556 27. iunii obiit anno christi 1600 1. augusti. Elisabeth Dustorhopes uxor obiit anno christi...". (Herr Georg Mutzeltin, geboren im Jahre Christi 1556 am 27. Juni, starb im Jahre Christi 1600 am 1. August. Elisabeth Düsterhop, seine Ehefrau, starb im Jahre Christi...) Der Anfang dieses Textes hat sich auf dem Fragment erhalten. Vergleichbares gilt für die Inschrift in der Mitte der Platte, die Büttner, wie folgt, überliefert: "Georgio Mutzeltino, patricio Lunaeburgiaco, viro eximio, pio, erudito, prudenti, iustitiae amanti, literatorum moecenati conspicuo, in pauperes munifico, ecclesiae scholarumque patrono singulari, pie in vera agnitione filii dei exspiranti anno aetatis 43 vidua relicta et filia fieri fecerunt." (Georg Mutzeltin, dem lüneburgischen Patrizier, einem ausgezeichneten, frommen, gebildeten, klugen, gerechtigkeitsliebenden, für alle als Förderer der Sprachgelehrten bekannten, gegen die Armen großzügigen Mann, dem einzigartigen Schutzherrn von Kirche und Schule, der fromm in wahrer Erkenntnis des Sohnes Gottes im 43. Jahr seines Lebens verstarb, haben die hinterlassene Witwe und Tochter (diesen Stein) zu setzen veranlaßt.)

Aus Büttners Angaben folgt, daß es sich bei dem Stein um ein Epitaph für Georg Mutzeltin gehandelt hat, das in der Nähe seiner Grabstelle in der St. Johanniskirche errichtet worden ist. Die beschriebenen Wappen in den unteren Ecken bezeichnen seine Eltern und die seiner Ehefrau Elisabeth Düsterhop. Es ist zu vermuten, daß sich in den oberen Ecken vergleichbare Wappendarstellungen befunden haben, die möglicherweise auf die jeweiligen Großelternpaare väterlicherseits verwiesen.

Georg Mutzeltin entstammte einer der sehr wenigen Familien, denen es gelang, in den Kreis des nach außen bereits abgeschlossenen Patriziats aufgenommen zu werden. Mutzeltins Großvater Thomas kam 1508 als Stadtsekretär nach Lüneburg und heiratete in das Patriziat ein. Seine Eltern erwarben 1566 das Haus Am Berge 37 und ließen es im Stil der Renaissance umbauen. Die Jahreszahl 1568 am bis heute erhaltenen Portal des Hauses bezeichnet den Abschluß der Baumaßnahmen. Dort kehren auch die Wappen wieder, die das Epitaphfragment mit Umschrift abbildet.

Georg Mutzeltin, 1556 geboren, war das dritte von 13 Kindern, die aus der Ehe seiner Eltern hervorgingen. Er durchlief die für das Patriziat übliche Karriere. 1587 wurde er Sülfmeister, 1592 Barmeister. Damit war er für den gesamten technischen Betrieb der Saline verantwortlich. Aus seiner 1588 mit Elisabeth Düsterhop geschlossenen Ehe ging eine Tochter hervor, die nach ihren beiden Großmüttern die Namen Anna Sophia erhielt. Elisabeth Düsterhop, geboren 1561, überlebte ihren Ehemann um 16 Jahre und starb 1616. Ihr Todesdatum wurde, wie Büttners Überlieferung zeigt, auf dem Epitaph nicht nachgetragen.
Dr. Eckhard Michael
 



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