Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Zwei Stofffragmente, 1601: Objekt des Monats Juni 2007 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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Zwei Stofffragmente



Diese beiden Fragmente messen zusammen 12,2 x 37,5 cm. Sie sind Teile einer zusammenhängenden Stoffbahn aus Leinen. Die Stoffbahn wurde nach dem Weben aufwändig poliert und erhielt so eine sehr glatte, papierartige Oberfläche. In den Stoff sind mit blauem Seidenfaden kunstvoll Textpassagen aus dem Koran (Suren) eingestickt. Diese enthalten Lobpreisungen auf den Gott der Muslime. Übersetzt lautet der Text:
"Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Bei Gott allein steht es, mir Gelingen zu geben. Auf ihn vertraue ich. Er ist der Herr des gewaltige Thrones. Und wer auf Gott vertraut, lässt sich an ihm genügen. Gott ist mit denen, die (ihn) fürchten und rechtschaffen sind."
Zwei Stofffragmente: Objekt des Monats Juni 2007 im Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Der Stoff ist gut erhalten und die Inschrift noch deutlich lesbar. Durch den Vergleich mit ähnlichen Fundstücken werden die Fragmente auf das 10. Jahrhundert datiert. Sie stammen wahrscheinlich aus der Werkstatt eines Kalifen in Bagdad (Madinat as-Salam).

Verwendet wurden die beiden Stoffstücke als Schutzblätter für Illustrationen einer Prachthandschrift. Diese Handschrift war Teil des Kirchenschatzes der St. Michaeliskirche in Lüneburg und wurde in der Goldenen Tafel aufbewahrt, dem Mittelstück des Hochaltars der Kirche, das mit Fächern zur Aufbewahrung von Reliquien und anderen Bestandteilen des Kirchenschatzes umrahmt war. Die Handschrift aus dem 11. Jahrhundert befindet sich heute im Kestner-Museum in Hannover und lässt durch feine Nadeleinstiche erahnen, dass auch andere der Illustrationen durch Stoffstücke geschützt wurden. Wie und wann die Fragmente eines Tuches aus der Werkstatt in Bagdad in eine Lüneburger Kiche gelangten und was der eigentliche Zweck des Tuches war, ist unbekannt. Vermutlich jedoch gelangte der Stoff im Verlauf der Kreuzzüge aus dem Orient nach Mitteleuropa.
F. Görres
 



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