Wappenbrief, Wien 1722
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Der Wappenbrief entspricht der für Adelsdiplome entwickelten Gestaltung. Die aus fünf Doppelblatt bestehende Pergamenturkunde ist in Buchform gebunden. Die Deckel sind mit rotem Samt bezogen, als Schließen dienen gelbe Seidenbänder, zum Schutz sind Vorsatzblätter aus Papier eingearbeitet.
Der Brief ist 34,5 cm hoch und 24,5 cm breit. An gedrehter Kordel ist eine im Durchmesser 17,5 cm große gedrechselte Holzkapsel angehängt, die das in rotem Wachs geprägte Siegel Kaiser Karls VI. birgt.
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Der in Wien auf den 21. April 1722 datierte Text folgt größtenteils einem für diese Gelegenheiten stereotyp verwendeten Formular, das nur in den dafür vorgesehenen Passagen individuelle Bezüge enthält. Zum einen handelt es sich dabei um die namentliche Nennung des in den Reichsadel aufgenommenen Mannes - in diesem Fall Heinrich Müther unter Hinweis auf ein älteres der Familie gewährtes Adelsdiplom -, zum anderen um die ausführliche Beschreibung des Wappens. Eine kunstvoll ausgeführte farbige Miniatur bildet das Wappen mit Helm, Helmzier und -decken entsprechend ab.
Heinrich Müther (1669 - 1733) entstammte einer in dritter Generation in Lüneburg ansässigen, aus Lübeck zugewanderten Patrizierfamilie (vgl. Objekt des Monats Januar 2006). Er durchlief die für das Patriziat übliche Karriere und wurde 1713 Ratsherr, 1726 Bürgermeister. Mit seinen Kindern scheint die Familie in Lüneburg erloschen zu sein.
Im 17. und 18. Jahrhundert ist zu beobachten, daß sich Lüneburger Patrizierfamilien um die Aufnahme in den Reichsadelsstand bemühen. Häufig geht damit der Erwerb von Rittergütern, vornehmlich im benachbarten Mecklenburg, einher. Beides war mit erheblichen Kosten verbunden. Offensichtlich sollte damit der spätestens seit dem Dreißigjährigen Krieg entstandene Verlust der patrizischen Macht kompensiert und zugleich die soziale Verschmelzung mit dem ritterschaftlichen Adel angestrebt werden.
Dr. Eckhard Michael
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