Andachtsbild, Ende 16. Jahrhundert
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Das in starker Farbigkeit angelegte Bild zeigt die Anbetung des neugeborenen Christuskindes durch die Hirten. Die Szene ist in eine ruinöse Architektur verlegt. In der Mitte des Bildvordergrundes liegt das unbekleidete Kind mit ausgestrecktem rechten Arm auf einer Liege, links daneben kniet Maria, gehüllt in einen weiten blauen Mantel, in Anbetung ihres Sohnes.
Hinter ihr steht Joseph mit rotem Mantel über graugrünem Untergewand. Auf der rechten Seite sind in anbetender Haltung zwei Hirten dargestellt. Sie tragen unterschiedliche Bekleidung in unterschiedlicher Farbigkeit. Einer von ihnen führt einen Dudelsack mit sich. Zwischen den beiden Personengruppen sind deutlich die Köpfe von Ochs' und Esel zu erkennen.
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Die Räumlichkeit wird zur Bildmitte hin durch einen nicht mehr intakten Rundbogen abgeschlossen, vor dem eine von rechts nach links aufsteigende Treppe liegt. Auf einer der mittleren Stufen erscheint das Monogramm AVS. Unmittelbar dahinter erkennt man die Hirten auf dem Felde inmitten einer Schafherde, über ihnen in einem Strahlenkranz den vom Himmel herabschwebenden Engel mit dem Spruchband der frohen Botschaft. In der rechten oberen Bildecke singt ein Engelschor, oben links ist der Stern von Bethlehem zu sehen.
Das Bild ist mit einem zeitgleich entstandenen, 56,0 cm hohen und 45,5 cm breiten Rahmen versehen, der an drei Stellen lang ausgezogenes florales Ornament trägt, in dessen Zentrum zweimal ein Löwenkopf und einmal ein Putto erscheint.
Durch das Monogramm auf der Treppenstufe ist das Bild als Werk des Meisters Albert von Soest ausgewiesen, der 1589 in Lüneburg starb und eine bedeutende Anzahl verschiedener Kunstwerke in der Stadt hinterlassen hat. Berühmt wurde er durch die ornamentalen Schnitzereien in der Großen Ratsstube des Rathauses.
Soest entwickelte ein besonderes Verfahren für die serielle Anfertigung protestantischer Andachtsbilder (vgl. Objekte des Monats April 2003 und Dezember 2006) sowie Portraits prominenter protestantischer Gelehrter und Fürsten. Dabei wurden von einem Gipsmodel aus Papiermaché, das nach Trocknung eine farbige Fassung erhielt, für jedes Motiv Exemplare in jeweils gewünschter Zahl hergestellt.
Die "Anbetung der Hirten" gelangte mit einem Gegenstück, der "Verkündigung an Maria", im Jahre 1879 in die Sammlungen des Museums.
Dr. Eckhard Michael
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