Barockschrank, um 1700
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Der aus Eichenholz gefertigte, mit Nußbaum furnierte Schrank ist 2,74 m hoch, 2,07 m breit und 0,71 m tief. Er ruht auf sechs Kugelfüßen, besitzt im Sockel eine durchgehende Schublade, darüber zwei große Türen und als oberen Abschluß ein stark vorkragendes Kranzgesims.
Reiche Verkröpfungen umrahmen die weit vortretenden Mittelfelder der Türen sowie der Schublade.
Die Kapitelle und Flächen der beiden Pfeiler und der Schlagleiste, die jeweils vier Zwickel der Türfelder, die Mittelfelder der Türen und das in der Mitte des Gesimses aufgesetzte Bildfeld tragen hoch erhabenes, gelegentlich vollplastisches Schnitzwerk.
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Pfeiler und Türen zeigen Blattwerk mit Früchten, aufgelockert durch Vogeldarstellungen und verschiedene Putten. In den Zwickeln wird ein auf das Gesimsfeld ausgerichtetes religiöses Bildprogramm entwickelt. Es erscheinen insgesamt acht kleine Engel, die in den Händen die Leidenswerkzeuge Christi halten, zum Beispiel das Kreuz, die Dornenkrone oder eine Lanze. Auf dem Gesims ist das Schweißtuch der Veronika dargestellt. Der Legende nach näherte sich die Heilige Veronika dem kreuztragenden Christus auf seinem Weg nach Golgatha und nahm ihm mit einem Tuch den Schweiß vom Gesicht. Sein Antlitz bildete sich auf dem Tuch ab, und so entstand das "vera icon", ein wahrhaftiges Abbild.
Der Schrank gehört zum Typus des "Hamburger Schapp". In der Barockzeit bildeten sich in Norddeutschland regionale, im Detail unterschiedliche Formen repräsentativer Dielenschränke heraus. Der Hamburger Schapp schließt oben gerade ab und zeigt eine geschnitzte Mittelzier im Gebälk. Der Danziger Schrank besitzt einen trapezförmigen Giebel, während der Lübecker Schrank von einem Segmentgiebel, später einem geschweiften Aufsatz bekrönt ist. Es ist hervorzuheben, daß die Herstellung der nach Orten benannten Schränke nicht auf diese Orte beschränkt bleibt, sondern auch in anderen Städten erfolgen konnte.
Der barocke Dielenschrank stellt eine Fortentwicklung des Kissenschrankes dar und wird um 1670 als Typus eingeführt. Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts setzt sich die Fertigung fort. 1707 regte der Leipziger Tischler Johann Christian Senckeisen in einer Publikation an, als Meisterstück die Herstellung eines Hamburger Schapps vorzusehen. Noch bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts war es üblich gewesen, eine Truhe als Meisterstück zu fordern, die also nunmehr durch den Dielenschrank ersetzt wurde.
Für den Hamburger Schrank sind religiöse Darstellungen häufig bezeugt. So erscheinen alttestamentliche Szenen und Personen oder auch Apostel und Evangelisten. Es begegnen auch Tugenddarstellungen, ebenso weltliche Themen wie die vier Erdteile oder die vier Jahreszeiten, stets in den Zwickeln der Türen dargestellt und auf das zentrale Bildfeld am Gesims bezogen.
Dr. Eckhard Michael
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