Bildnis des Priors Eberhard Grote, um 1655
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Das ovale Portrait, ein Brustbild, in Öl auf Holz gemalt, ist 36 cm hoch und 30 cm breit. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um den Rest eines Epitaphs. Der Dargestellte ist vor graugrünem Hintergrund wiedergegeben. Der Mode der Zeit um 1650 entsprechend, trägt er schulterlanges, aus der Stirn zurückgekämmtes Haar, Schnauz- und Knebelbart.
Er ist mit einem schwarzen Obergewand bekleidet, das am Hals mit einem weißen Spitzenkragen besetzt ist. Der Kragen wird von zwei weißen, in herabhängende Quasten auslaufenden Bändern geschlossen. Um den Hals hängt eine goldene Kette, an der eine goldene Medaille mit dem Kopfbild eines bärtigen Mannes befestigt ist. Die qualitätvolle Malerei schildert lebensnahe, individuelle Wesenszüge.
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Das Portrait ist in einen ovalen Goldrahmen der Biedermeierzeit eingesetzt, dessen Innenmaße etwas größer als die des Bildes sind. Deshalb ist ein ovaler Ring aus Holz eingefügt, um die Maßunterschiede auszugleichen. Der Ring trägt oben umlaufend die Beschriftung: "EBERHARD GROTE LETZTER PRIOR UND SENIOR ZU ST. MICHAELIS", unten: "GEBOHREN 1593 GEST. 1655".
Eberhard war 1593 als Sohn Otto Grotes (1560 - 1616) und dessen Ehefrau Elisabeth v. Holle (1564 - 1638) in Breese im Bruche (Landkreis Lüchow-Dannenberg) geboren worden. Die Grote waren lüneburgische Burgmannen und gehören zu den bedeutendsten Adelsfamilien des Landes. Eberhards Mutter war eine Nichte des Abtes von St. Michaelis in Lüneburg Eberhard v. Holle (1531 - 1586), Bischofs von Lübeck und Administrators von Verden. Sie erhielt von ihrem Onkel eine reiche Mitgift. Gemeinsam mit ihrem Ehemann ließ sie 1592 in Breese die bis heute bestehende Gutskapelle errichten, die wegen ihrer reichen Ausmalung zu den bedeutendsten protestantischen Sakralbauten Norddeutschlands zählt.
Eberhard Grote wurde 1607 in die Klostergemeinschaft von St. Michaelis in Lüneburg aufgenommen. Im Mai 1610 bezog er die Universität Helmstedt. In den Jahren 1618 und 1619 unternahm er gemeinsam mit seinem älteren Bruder Johann eine Reise nach Frankreich. 1620 wurde er in Lüneburg als Klosterherr eingeführt. Später übernahm er im Kloster das Amt des für Wirtschaftsdinge zuständigen Kellners, 1642 wurde er Prior und damit Stellvertreter des Abtes.
Grote gilt als gebildeter und kultivierter Mann, was sein Portrait durchaus widerspiegelt. Seine umfangreiche Büchersammlung von zumeist theologischen Titeln bildete den Grundstock der Breeser Kirchenbibliothek. Er führte biographische Aufzeichnungen, in denen auch die Geschicke seiner Familie berücksichtigt wurden. Seine Lebensführung war - wie die der übrigen Konventualen auch - weltlich orientiert, zumal ihm seine Einkünfte als Klosterherr eine standesgemäße adelige Existenz sicherten.
In Grotes letztes Lebensjahr fällt die Entscheidung, das Kloster nicht mehr mit Klosterherren zu besetzen, sondern dort eine Schule für junge Adelige, eine Ritterakademie, einzurichten. So war Eberhard Grote der letzte Prior des Klosters. Er starb im Dezember 1655 und wurde in der Klosterkirche beigesetzt.
Dr. Eckhard Michael
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