Friesische Urne aus Bardowick Zeugnis früher Handelsverbindungen zu Beginn des Mittelalters (Datierung: 7. / frühes 8. Jahrhundert).
In den sechziger Jahren wurde am Schwarzen Weg in Bardowick ein Brandgrab entdeckt, welches eine Urne enthielt, die aufgrund von Form und Verzierung dem friesischen Bereich zugewiesen werden kann. Es handelt sich um einen recht kleinen, eiförmigen Topf mit schmalem, abgesetzten Rand und flachem Boden.
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Im Schulterbereich des Gefäßes befinden sich Verzierungen in Form von drei hängenden Dreiecken, die aus 26 bis 28 Stempeleindrücken von rechteckiger Form bestehen. Jeder dieser Stempeleindrücke setzt sich wiederum aus 16 kleinen quadratischen Eindrücken zusammen. In der Urne befanden sich der sog. Leichenbrand, die verbrannten Überreste des Toten also, und ein kleines Stückchen Bronzedraht (Inv.-Nr. 198-201:67).
Die Urne datiert in das 7. bzw. frühe 8. Jahrhundert; in eine Zeit, in der auf den einheimischen Sachsenfriedhöfen wie Rullstorf und Oldendorf (Luhe) die Urnenbestattung längst zugunsten der ersten Körperbestattungen aufgegeben worden war - ganz offensichtlich also stammte der Verstorbene nicht von hier.
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Für die Geschichte Bardowicks als früher Handelsplatz an der Ilmenau ist dieser Fund sehr wichtig, da archäologische Nachweise für diese Funktion bis dato - noch - nicht sehr zahlreich in Erscheinung getreten sind. Die historischen Quellen sind diesbezüglich weitaus ergiebiger: So wird bereits im Jahre 780 von Massentaufen der "Bardengauer" und vieler "Nordleute" in Ohrum an der Oker berichtet. Doch erst nach dem Ende der ersten Phase der Sachsenkriege im Jahre 785 ist die Anwesenheit Karls des Großen selbst im Bardengau bezeugt.
Möglicherweise führte er zu diesem Zeitpunkt bereits die sog. Grafschaftsverfassung ein und errichtete die ersten befestigten Anlagen und Königshöfe; so fällt nämlich auch die Ersterwähnung Bardowicks, ebenfalls Standort eines solchen Königshofes, in dieses Jahr.
Ein erneuter Aufenthalt Karls ist für 789 anzunehmen, da in diesem Jahr ein fränkischer Brückenschlag unweit des Höhbecks über die Elbe erfolgte. Auch die slawischen Obotriten werden erstmalig als Verbündete der Franken genannt, mit denen sich Karl in den folgenden Jahren noch mehrmals in verschiedenen Orten des Bardengaus traf. In diesem Zusammenhang steht auch die erneute Erwähnung Bardowicks und die Nennung eines Ortes namens Hliuni (= Lüneburg) im Jahre 795 in den fränkischen Reichsannalen.
Im Jahre 798 kam es zu einer erneuten Elbüberquerung durch die Franken mit dem Ziel, den mit ihnen verbündeten slawischen Obotritenfürsten Thrasco zu unterstützen; einer Maßnahme, die mit dem Sieg des fränkisch-slawischen Heeres über die Sachsen bei Bornhöved schließlich zum Erfolg führte. 805 taucht Bardowick gemeinsam mit einer ganzen Reihe von weiteren Orten als Grenzhandelsplatz mit den östlichen Slawengebieten auf.
Sicher gehört auch der Fund der friesischen Urne in diesen Kontext, da der Fernhandel jener Zeit zu einem großen Teil in den Händen dieser Nordseeküstenbewohner lag. Ganz offensichtlich hatte einer von ihnen seinen Lebensweg hier schon längere Zeit vor den geschilderten Ereignissen in Bardowick vollendet.
Seine Funktion als wichtiger Handelsort des Mittelalters erfüllte Bardowick auch nach dem Ende der fränkisch-slawischen Allianz im Jahre 817 noch eine geraume Zeit lang weiter. Die Bedeutung dieses Ortes zeigt sich auch an der Tatsache, dass er mehrfach von verschiedenen mittelalterlichen Herrschern aufgesucht wurde; zu nennen wären hier beispielsweise die schon erwähnten Aufenthalte Karls des Großen (795 und 798) und seines Sohnes (799), sowie die Besuche der Kaiser Heinrich IV. (1071) und Lothar III. (1134/1136) in Bardowick. Es ist somit also auch davon auszugehen, dass entsprechende herrschaftliche Baulichkeiten vorhanden waren, deren Spuren bisher jedoch archäologisch nicht lokalisiert werden konnten. Eine Ausnahme bildet eine möglicherweise zu einem der dortigen Adelssitze gehörende Mühle, deren 1934 geborgene Mühlsteine sich als Leihgabe des Lüneburger Museums im örtlichen Gildehaus befinden.
Besagte Mühle wurde möglicherweise auch ein Opfer der teilweisen Zerstörung Bardowicks durch Heinrich den Löwen im Jahre 1189, jenem Ereignis, dem die Salzstadt Lüneburg und auch deren Handelspartnerin Lübeck ihren Aufstieg verdanken.
Dietmar Gehrke M.A.
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