Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Slawische Gürtelschnalle von einem mittelalterlichen Dorffriedhof bei Lüneburg: Objekt des Monats Januar 2008 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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"Slawische" Gürtelschnalle
von einem mittelalterlichen Dorffriedhof bei Lüneburg

Fundort: Lüneburg-Rettmer FStNr. 3; Fundzeit: nach 1913; Inv.-Nr. 4708;
Datierung: 13. Jahrhundert nach Christi Geburt.

Eine Betrachtung der auf dem Gebiet der Stadt Lüneburg bis dato bekannt gewordenen frühmittelalterlichen Siedlungs- und Bestattungsplätze führte zu der Beschäftigung mit dem Fundplatz einer Körperbestattung bei Rettmer, der in der Literatur bisher als slawisch eingestuft wird.
Eine Überprüfung der erhaltenen Aufzeichnungen und einer dort ergrabenen Gürtelschnalle zeigte jedoch, dass diese Zuweisung vor dem Hintergrund der Besiedlungsgeschichte der Region zumindestens zu hinterfragen war: Die Lage des Fundplatzes befindet sich weit westlich des ehemaligen slawischen Siedlungsgebietes in Nordostniedersachsen und die Gürtelschnalle ist außerdem anhand von Vergleichsfunden in das 13. Jahrhundert zu datieren.
Slawische Gürtelschnalle von einem mittelalterlichen Dorffriedhof bei Lüneburg: Objekt des Monats Januar 2008 im Museum für das Fürstentum Lüneburg
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So erscheint es naheliegend, dass es sich hier um den Rest eines außerkirchlichen Bestattungsplatzes handelte, bei dessen Auflassung die 1288 gegründete Katharinenkirche im benachbarten Embsen (zu deren Kirchspiel Rettmer heute noch gehört) eine nicht unwichtige Rolle gespielt haben dürfte.

Die Gründung der Kirche in Embsen erfolgte durch die Familie von Estorff, die etwa zeitgleich (1282) ihr Patronat über eine Kapelle in Bardowick, wo sie seit 1162 nachweisbar ist, an das örtliche Stift abgab. Ist der unterstellte Zusammenhang zwischen der Aufgabe des Friedhofes bei Rettmer und der Embsener Kirchengründung richtig, stellt auch die Datierung der Schnalle aus Rettmer eine weitere Stütze für den späten Beginn des Niederkirchenwesens in Nordostniedersachsen dar. Dieser lag im wesentlichen in Händen des Landadels.

Die Bedeutung der Schnalle aus Rettmer liegt somit weniger in ihrer ethnischen und kulturellen Zuordnung als vielmehr in der Tatsache begründet, dass sie einer der letzten Überreste mittelalterlicher Bestattungsplätze im Gebiet der heutigen Stadt Lüneburg innerhalb der Lüneburger Museumssammlung darstellt.
Dietmar Gehrke M.A.
 



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