Monstranz, 1444
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Das 56,5 cm hohe Schaugefäß ist aus vergoldetem Kupfer gearbeitet. Der Durchmesser des Fußes hält 19,2 cm. In seiner Gestalt folgt das Stück dem bei Monstranzen gemeinhin anzutreffenden turmähnlichen Aufbau.
Auf dem aus sechs Pässen über breiter Platte bestehenden Fuß erhebt sich ein langer, mit geripptem Nodus versehener Schaft, der das eigentliche Schaugefäß trägt. Es ist zylindrisch geformt und ruht auf einem Teller, der beiderseits in gotischen Kleinbuchstaben die umlaufende Inschrift "Ecce panis angelorum" (Siehe, das Brot der Engel) trägt. Dieser Text ist Bestandteil der von Thomas von Aquin gedichteten Fronleichnamssequenz "Lauda Sion", eines im Gottesdienst gesungenen Hymnus. Seitlich angebrachtes, symmetrisch gebildetes Strebewerk aus Pfeilern, Fialen, Wimpergen, Krabben, Kreuzblumen und Wasserspeiern leitet über zur oberen Halterung des Zylinders. Die strukturellen Anleihen bei der gotischen Architekturzier sind unübersehbar. Eine zweigeschossige Laterne bildet den Abschluß der Monstranz. Die Bekrönung ist nicht erhalten.
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Die Pässe des Fußes zeigen in Gravur Engel mit den Leidenswerkzeugen Christi. Von den in vertieften längsrechteckigen, ehemals rot emaillierten Feldern des unteren Geschosses der Laterne angebrachten, ursprünglich sechs silbernen Halbrelieffiguren von Aposteln und Heiligen haben sich vier erhalten.
Monstranzen (im Lateinischen "monstrantia", von monstrare = zeigen) begegnen seit der Mitte des 14. Jahrhunderts in zunehmendem Maße als liturgisches Gerät in den Kirchenschätzen. Ihre Einführung ist eng mit der 1264 verkündeten Einsetzung des Fronleichnamsfestes und den damit in Zusammenhang stehenden, seit Anfang des 14. Jahrhunderts gebräuchlichen Prozessionen verknüpft. Die Monstranz dient als Behältnis für die große geweihte Hostie, die hinter Glas durch die Lunula, einen halbmondförmigen Träger, gehalten wird. So kann der Leib Christi auf dem Altar zur Anbetung präsentiert oder in Prozessionen mitgeführt werden. Im Mittelalter wird der Typus der architektonisch gebildeten Turmmonstranz vorherrschend, in der Barockzeit die "Sonnenmonstranz", bei der das Schaugefäß von einem Strahlenkranz umgeben ist. Im allgemeinen weisen Monstranzen christologische Bildprogramme auf, darunter die Verherrlichung des Sakraments durch die Engel.
Die Lüneburger Monstranz wurde 1864 in einem Sakristeischrank der Kapelle des Hospitals St. Nikolaihof vor Bardowick aufgefunden, gelangte in das Lüneburger Rathaus und wurde schließlich dem Museum übergeben. Erhebliche ältere Beschädigungen sind bis heute sichtbar geblieben. Das Schaugefäß - ursprünglich aus Bergkristall oder Marienglas - mußte durch einfaches Glas ersetzt werden. Die Lunula zur Aufnahme der Hostie fehlt.
Nach Ausweis eines erhaltenen Rechnungsbuches läßt sich wahrscheinlich machen, daß die Monstranz 1444 von dem bedeutenden Lüneburger Bürgermeister Hinrik Lange gestiftet wurde, der seit 1431 Provisor von St. Nicolaihof war und die Kapelle neu errichten ließ. Hersteller der Monstranz war der Lüneburger Goldschmied Hinrik Vischer.
Dr. Eckhard Michael
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