Pietà, um 1450 |
Die 82 cm hohe Skulptur ist aus Eichenholz geschnitzt. Sie erhebt sich auf einem profilierten, aus dem Rechteck entwickelten sechseckigen Sockel, der 28 zu 41 cm mißt.
Maria sitzt mit parallel gestellten Beinen auf einer Steinschichtung, auf ihrem Schoß den Körper des toten Christus haltend. Um den Kopf trägt sie einen Schleier, der ihr Gesicht umrahmt. Ein Umhang ist lose um ihre Schultern gelegt, umspielt die Arme und fällt bis zum Boden herab. Die mit einem hemdartigen Untergewand bedeckte Brustpartie ist freigelassen. Maria hält den Umhang mit der am Herzen ruhenden rechten Hand zusammen. Der Körper Christi, dessen Kopf und Beine verloren sind, liegt, leicht nach vorn geneigt, horizontal auf den Beinen Mariens, deren linke Hand den linken Arm des toten Sohnes berührt. Die farbige Fassung ist bis auf kleinste Partikel verloren.
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Der Bildtypus der Pietà, auch als Vesperbild bezeichnet, ist ikonographisch aus der Beweinungsszene entwickelt worden und tritt seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts selbständig auf. Das Vesperbild ermöglicht eine persönliche Identifikation mit dem Bildgegenstand und ist demnach der persönlichen Andacht gewidmet. Sind die älteren Darstellungen noch darauf angelegt, den tiefen Schmerz der Mutter deutlich zu formulieren, ist im Verlauf des 15. Jahrhunderts eine stärkere Hinwendung zu einer gefühlvolleren Wiedergabe festzustellen, die mehr Ruhe und den Ausdruck stiller Trauer vermittelt. Dieser jüngeren Tradition folgt auch das Lüneburger Bild.
Es gilt als Frühwerk des Cord Snitker, dessen Arbeiten sich in Lüneburg wie auch im städtischen Umland relativ zahlreich erhalten haben. Am bekanntesten sind seine 1481 fertiggestellten Heiligenfiguren am Kämmereiflügel des Rathauses.
Die Pietà wurde 1879 aus der Michaeliskirche, wo sie bis dahin im Turm verwahrt worden war, in die Sammlungen des Museums überführt und gehört damit zum älteren Bestand des Hauses.
Dr. Eckhard Michael
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