Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Prunkkissen, 1576 : Objekt des Monats Juni 2008 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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Prunkkissen, 1576

Die Vorderseite des 59,0 x 54,5 cm großen Kissens ist in farbiger Wolle und Seide gewirkt, die Rückseite besteht aus rotem Leder mit vier ehemals vergoldeten geflochtenen Lederknöpfen an den Ecken. Die Wirkerei zeigt auf schwarzem Grund üppiges Ornament aus Blättern, Zweigen, Blüten und Birnenquitten und im Zentrum einen nackten "Wilden Mann", der vor sich das Wappen der Stadt Lüneburg hält.

Zugehörig sind an verschiedenen Stellen des Museums gezeigte Banklaken unterschiedlicher Länge, die das Dekorationssystem des Kissens wiederholen bzw. variieren.
Prunkkissen, 1576: Objekt des Monats Juni 2008 im Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Die unübersehbare Darstellung des Stadtwappens deutet auf eine Herkunft der Textilien aus dem Rathaus. In der Tat geht aus städtischen Kämmereirechnungen hervor, daß ein Frans van der Rust 1576 ein Honorar für 36 Kissenblätter erhielt, die er für die Große Ratsstube gefertigt hatte. Somit ist es erlaubt, in den Banklaken und dem Kissen, das zu einer Serie von fünf gleichartigen erhaltenen Exemplaren gehört, Ausstattungsstücke für den von 1564 bis 1567 errichteten neuen Ratssaal zu sehen, für den Albert von Soest die berühmten Wandvertäfelungen und Türumrahmungen im Stil der Renaissance geschnitzt und Daniel Frese einen Zyklus von allegorischen Gemälden geschaffen hat.

Der Name Frans van der Rust läßt niederländische bzw. flandrische Herkunft vermuten. Damit steht in Einklang, daß in Lüneburg Werkstätten bestanden haben, die von eingewanderten Fachleuten geleitet, zumindest aber besetzt waren. In Flandern lag im 16. Jahrhundert und darüber hinaus das europäische Zentrum der Gobelinherstellung. Offensichtlich war die Nachfrage nach qualitätvollen Wirkteppichen in Lüneburg so groß, daß es sich für ausländische Kunsthandwerker lohnte, ihre Heimat zu verlassen und sich in der Stadt anzusiedeln. Ihrer Tätigkeit scheint auch die Anfertigung der "Lüneburger Teppiche" zuzuschreiben zu sein, die in vergleichsweise großer Zahl für das Patriziat hergestellt wurden ).

Die Textilien, aus dem Rathaus in das Museum übernommen, erweisen, wie hoch die Ansprüche waren, mit denen man in der letzten kulturellen Blütezeit der Stadt die Ausgestaltung von Repräsentationsräumen verfolgte. Nicht von ungefähr entstanden zeitgleich die meisten Prunkgefäße des Lüneburger Ratssilbers.
Dr. Eckhard Michael
 



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