Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Rosenkranz: Objekt des Monats November 2008 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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Rosenkranz

Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Gegenstand besteht aus Gagat, Perlmutt und Silber. Seine Länge beträgt 52,5 cm.
Auf eine rote Seidenschnur sind 50 gleichartige schwarze Gagatperlen aufgezogen, nach jeder zehnten ist ein silberner, hohler Vielflächner eingefügt. In die erste Perle sind vier Muscheln eingeschnitzt.

Davor befindet sich eine einzelne Muschel aus Perlmutt, ein Pilgerzeichen aus Santiago di Compostela in Norwestspanien. Santiago gilt als Begräbnisort des Apostels Jakobus d. Ä., dessen Attribut die Pilgermuschel ist.

Rosenkranz: Objekt des Monats November 2008 im Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Der Begriff Rosenkranz bezeichnet das Rosenkranzgebet an sich, zugleich aber auch - wie im vorliegenden Fall - eine Zählkette für die Ableistung dieses Gebets, das aus der Aneinanderreihung von Texten gleicher und unterschiedlicher Art besteht. Eine bestimmte Anzahl von ihnen gilt als Kranz geistlicher Rosen.

Seit dem 12. Jahrhundert ist der Rosenkranz in der christlichen Kirche nachzuweisen. Er verbindet Mariengebete und Betrachtungen zu Ereignissen aus dem Leben Jesu und Mariens. Im 15. Jahrhundert ist die Entwicklung zu einem geregelten Reihengebet abgeschlossen. Der Rosenkranz besteht seither im allgemeinen aus 50 "Ave Maria" und fünf "Vater unser". Dem entsprechen hier die 50 Gagatperlen und die fünf Silberkörper als "Zählhilfe". Das vollständige Rosenkranzgebet umfaßt drei Rosenkränze.

Der Lüneburger Rosenkranz dokumentiert in seiner einfachen Form den für das späte Mittelalter üblichen und weit verbreiteten Typus. Das Stück könnte von einer Pilgerfahrt nach Santiago di Compostela, dem berühmtesten Wallfahrtsort im Mittelalter, stammen und von dort nach Lüneburg gelangt sein. Neuzeitliche Quellen belegen, daß er einer um 1510 für die St. Johanniskirche gefertigten silbernen Madonnenstatue beigegeben war. Die Figur wurde 1573 in städtischen Besitz übernommen und 1874 mit dem Ratssilber an das Kunstgewerbemuseum in Berlin verkauft. Der Rosenkranz verblieb im Rathaus, von wo er nach dem Zweiten Weltkrieg in das Museum übernommen wurde. Möglicherweise wurde er im frühen 16. Jahrhundert von einem Pilger der Marienfigur in St. Johannis als Votivgabe verehrt.
Dr. Eckhard Michael
 



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