Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Tafelaufsatz, 1901: Objekt des Monats Oktober 2008 im Museum für das Fürstentum Lüneburg

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Tafelaufsatz, 1901

Das qualitätvolle, in historistischen Formen ausgeführte Objekt ist 86,5 cm hoch und besitzt einen unteren Durchmesser von 35,5 cm. Es besteht aus Silber, verwendet ist auch Email und Bergkristall.

Der Tafelaufsatz ist als gotischer Brunnen gestaltet. Ein kreisrunder Fußring besitzt vier treppenförmige, in jeweils gleichem Abstand voneinander angeordnete Vorsprünge. Auf diesen erheben sich im Wechsel flache Nachbildungen der Fassaden des Lüneburger Kalandhauses und des Hauses Am Sande 1, heute Sitz der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg.

Zwischen diese Fassaden ist jeweils eine doppelte Arkadenstellung mit Pfeilern und Segmentbögen eingestellt, die den Lüneburger Rathausarkaden entspricht. In den Bogenzwickeln erscheint in schrägliegendem Schild das Stadtwappen in Email. Ein rings umlaufender Zinnenkranz schließt diese Zone auf Höhe der Giebelansätze der Fassaden ab.

Tafelaufsatz, 1901: Objekt des Monats Oktober 2008 im Museum für das Fürstentum Lüneburg
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Darüber setzt der Fußhals an. Seine kreisrunde Grundform wird durch vier aus den Dächern hinter den Fassaden aufsteigende Züge bereichert, die vier Felder voneinander abgrenzen. Die Züge springen in ihrem oberen, auslaufenden Teil dreiecksförmig vor und sind mit Bergkristallen in Kastenfassung besetzt. Die zwischen den Zügen liegenden Dreiecksflächen zeigen im unteren Teil einen breiten, tropfenförmigen Schild, der nach oben hin in graviertes Akanthusrankenwerk übergeht.

Drei dieser Schilde tragen gravierte Ansichten Lüneburger Gebäude, die Marktfassade des Rathauses, das Stadtarchiv innerhalb des Rathauskomplexes und die St. Nicolaikirche. Der vierte Schild besitzt ein Bildnis von Georg Keferstein und die Inschrift: "Ihrem hochverdienten Oberbürgermeister / Georg Keferstein / zu seinem 70. Geburtstage am 1. Januar 1901 / In Dankbarkeit und Verehrung / Die Bürger der Stadt Lüneburg".

Vom Fußhals schwingt eine gebuckelte vierpassige Schale aus, die an der Unterseite mit Kristallgehängen besetzt ist. An den Einschnürungen der Vierpaßform setzen nach innen geneigte halbe C-Schwünge an, die auf vier Säulen einen Baldachin aus verschlungenen Weinranken tragen.

Den Säulen sind nach außen kleinere, gedrehte Säulen vorgelagert, auf denen allegorische Figuren stehen, Gerechtigkeit mit Schwert und Waage, Stärke mit Säule, Handel mit Merkurstab und Mäßigung mit Wasserkrug und Weinschale. Vier mittig aus dem Baldachin aufsteigende Streben münden in eine aus Blattwerk geformte Kreuzblume, aus der sich ein Säulenstumpf mit Volutenkapitell als Postament für eine bekrönende Figur erhebt. Diese Figur mit Palmzweig und erhobener Hellebarde stellt allegorisch den Frieden dar.

Am Fußrand findet sich der Meistername Schönauer. Alexander Schönauer unterhielt in Hamburg eine angesehene Goldschmiedewerkstatt.

Der Tafelaufsatz wurde dem Lüneburger Oberbürgermeister Georg Keferstein (1831 - 1907) aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Amt am Tage seines 70. Geburtstages überreicht. Keferstein, promovierter Jurist, war 1859 als Stadtsekretär in die Dienste der Stadt Lüneburg getreten. 1876 wurde er Senator, 1881 Syndikus und 1894 Oberbürgermeister. Seit 1863 war er mit Anna Frederich (1844 - 1912) verheiratet, Tochter des Weinhändlers Bernhard Frederich. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das Weinhaus das führende Wirtschaftsunternehmen Lüneburgs.
Dr. Eckhard Michael
 



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