Walzenkrug mit Deckel, 1657
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Der aus Silber gearbeitete Krug ist 36,1 cm hoch. Gestalterisch zählt er zum Typus der Hansekannen. Über einem profilierten Fuß erhebt sich eine gerade ansteigende Gefäßzone. Sie wird durch einen Wulst abgeschlossen, der zu dem umgekehrt konisch ansteigenden Gefäßkörper überleitet. Der Henkel schwingt weit aus, nimmt in seiner Stärke nach unten hin ab und wird durch einen leeren Wappenschild abgeschlossen.
In seinem oberen Bereich trägt er ein Scharnier, das den Deckel hält und durch eine Daumenrast bewegt wird, die aus zwei V-förmig zusammengesetzten Bändern gebildet ist. Der Deckel besteht im wesentlichen aus zwei Wülsten unterschiedlicher Größe und abschließender Platte. Diese wiederum trägt einen kleinen Sockel, auf dem ein vollplastischer steigender Löwe erscheint, der vor sich einen Wappenschild hält.
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Auf den umgekehrt konischen Gefäßkörper ist an der Front ein Segelschiff graviert, auf der Gegenseite eine stilisierte Blume. Die gesamte übrige Fläche wird von gravierten Ovalschilden eingenommen, denen Rundschilde auf dem unteren Wulst des Deckels entprechen. Die meisten dieser Felder tragen Namen, zugehörige Hausmarken bzw. Wappen und in den meisten Fällen Jahreszahlen. Auf dem Deckel ist über dem unteren Wulst umlaufend graviert: "CHRISTIAN TIMMERMANN P:t: Vorsteher 1657". Das von dem Löwen gehaltene Wappen zeigt in Gravur drei Sterne, Sonne, Mond, einen Anker sowie die Buchstaben K E.
Unter dem Boden des Kruges erscheinen zwei Marken, die Lüneburger Beschau und das Zeichen des Meisters Niclas Simons.
Die Kanne diente dem Lüneburger Schifferamt als Willkomm, gehört also zu den Hinterlassenschaften des Handwerks. Die Zünfte, in denen die Handwerker berufsständisch organisiert sein mußten, trugen in Lüneburg die Bezeichnung "Amt". An der Spitze der Ämter standen zumeist zwei "Älterleute" als Vorsteher. Jedes Amt besaß für zeremonielle Rituale, etwa um auswärtige Gäste willkommen zu heißen, eine Reihe von Trinkgefäßen, deren größtes der "Willkomm" war. Im allgemeinen besteht solches Handwerkergeschirr aus Zinn. Silber verwendeten - wie in diesem Fall - nur die wohlhabenden Ämter (siehe auch Objekt des Monats Dezember 2004).
Das gravierte Segelschiff macht die Bezüge zum Schifferamt offenkundig. Der inschriftlich genannte Christian Timmermann wär Ältermann, als die Kanne 1657 beschafft wurde. Alle seine Nachfolger bis in das 19. Jahrhundert hinein sind in den ovalen bzw. runden Schilden auf Deckel und Wandung verzeichnet.
Der Goldschmied Niclas Simons wurde 1634 Meister und Bürger. Noch 1676 ist er in Lüneburg nachzuweisen. Von ihm stammt auch der im Museum ebenfalls gezeigte Vogel der Lüneburger Schützengesellschaft.
Dr. Eckhard Michael
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