St. Lamberti - Ausgrabung einer untergegangenen Kirche
Ein Diavortrag im Museum für das Fürstentum Lüneburg
Dienstag, 28. Mai 2002, 20.00 Uhr
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Drei Jahre lang war die Erforschung der 1860/61 abgerissenen St. Lambertikirche eine der Hauptaufgaben
stadtarchäologischer Arbeit in Lüneburg - drei Forschungsjahre,
die wichtige neue Erkenntnisse über die Geschichte der alten Hansestadt Lüneburg erbracht haben.
In einem Diavortrag berichtet der Archäologe und Grabungsleiter Marc Kühlborn M.A. über die
Ausgrabung der untergegangenen Kirche und die daraus resultierenden
Ergebnisse.
Ein Ziel der Grabung war es, die Baugeschichte des gotischen Kirchenbaues zu erhellen.
In den drei Jahren der Tätigkeit auf dem Lambertiplatz konnten vier
Grabungsschnitte mit insgesamt rund 240 m² geöffnet werden. Zahlreiche Befunde zur Geschichte
des Kirchenbaues, aber auch 85 Bestattungen wurden in mühseliger
Feinarbeit freigelegt, dokumentiert und geborgen.
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Abbruch der St. Lambertikirche (1860), Fotografie von G. Fr. Güttich.
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Eine wichtige Erkenntnis war beispielsweise, daß die Baugeschichte der Kirche korrigiert werden muß.
Fast hundert Jahre in die Vergangenheit kann der Baubeginn der
Kirche verschoben werden. Bislang gingen die Kunsthistoriker davon aus, dass der Baubeginn am Ende des 14.
Jahrhunderts lag, Funde aus den Fundamenten zeigen,
dass bereits in den Jahren um 1300 an der Kirche gebaut wurde. Dies ist umso überraschender, wenn man
bedenkt, dass gleichzeitig noch an der St. Johanniskirche,
dem Rathaus und der Stadtbefestigung gebaut wurde. Lüneburg ist in dieser Zeit "Boomtown".
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Bergung einer Bestattung in einer Gruft der Barockzeit
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Daneben zeigt
sich auch, dass bereits zu Beginn der Baumaßnahmen der
Untergrund als gefährdet galt, gründliche Pfahlfundamentierungen belegen dies.
Über mehrere Generationen
hinweg wurden die Grüfte genutzt, Belegungen in mehreren
Lagen übereinander waren durchaus üblich. Knöpfe aus Knochen und kleine Bronzenadeln zeigen den Gebrauch
von Leichenhemden und Leichentüchern. Brandschichten
und Keramik des 10.Jahrhunderts belegen die intensive Siedlungstätigkeit innerhalb der mittelalterlichen
Stadt vor dem Baubeginn der Kirche.
Über diese und weitere Ergebnisse berichtet Marc Kühlborn am 28. Mai um 20.00 Uhr im Museum für das
Fürstentum Lüneburg. |
Zum Referenten:
Marc Kühlborn, geboren 1967 in Kassel,
Studium der Ur- und Frühgeschichte, Volkskunde und Botanik in Göttingen und Kiel
Abschluss in Kiel als M.A. 1994 mit dem Thema: Ein Glas- und Keramikensemble aus Lüneburg.
Grabungsleitungen im In- und Ausland (Sachsen, Türkei)
Grabungsleitung Lambertikirche 99 und 2k
Zahlreiche Publikationen zu Lamberti siehe Denkmalpflege in Lüneburg 2000 und 2001, demnächst auch 2002
und Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen.
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