Museum für das Fürstentum Lüneburg
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"Wer die Vergangenheit nicht kennt wird die Zukunft
nicht in den Griff bekommen" (Golo Mann 1909-1994)

Am Donnerstag, den 09. Oktober 2003 feierte der Museumsverein
für das Fürstentum Lüneburg sein 125 jähriges Jubiläum
 
"Museen schwimmen im großen Meer der Zeit und urplötzlich taucht ein 125-jähriges Jubiläum auf". Es ist ein großer Erfolg, dass der Verein noch besteht, sagte der 1. Vorsitzende des Vereins, Norbert Bünten bei seiner Eröffnungsrede.
Das Museum für das Fürstentum Lüneburg wird vom Verein getragen. Der Hauptsponsor des Museums ist die Stadt Lüneburg, die die Funktionstüchtigkeit des Museums bisher erhält.
Der Verein baut auf die finanzielle und ideelle Unterstützung mehrerer Generationen. Norbert Bünten bedankte sich bei allen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Mitstreitern.
Oberbürgermeister Ulrich Mädge beglückwünschte den Verein zum Jubiläum. Die Verantwortung der Stadt Lüneburg gegenüber dem Museum ist ihm bewusst. Es ist wichtig, dass das Museum für das Fürstentum Lüneburg weiter gefördert wird. Hierbei geht es ihm nicht nur um die finanzielle Unterstützung, sondern auch um die Bedeutung musealer Arbeit.

In Lüneburg gibt es so manche Diskussion über das Museum für das Fürstentum Lüneburg. Es ist das Museum, welches die Schätze der Lüneburger Stadtgeschichte beherbergt und präsentiert. Aber ist die Präsentation noch zeitgemäß? Das Museum leidet unter rückläufigen Besucherzahlen. Doch lassen sich moderne museumsdidaktische Konzepte auf jedes Museum übertragen?

Die Wichtigkeit eines Museums kann nicht auf Besucherzahlen reduziert werden. Die Bedeutung musealer Arbeit kann mit folgendem Zitat auf den Punkt gebracht werden:

Oberbürgermeister Ulrich Mädge unterstützt die Arbeit des Museums für das Fürstentum Lüneburg
Oberbürgermeister Ulrich Mädge unterstützt die Arbeit des Museums für das Fürstentum Lüneburg

"Wer die Vergangenheit nicht kennt wird die Zukunft
nicht in den Griff bekommen"
(Golo Mann 1909-1994)

Wir wollen die Spuren der Vergangenheit zeigen und müssen etwas verändern wenn der Zeitgeist es verlangt. Mut, Entschlossenheit und Engagement helfen weiter Ziele und Inhalte zu definieren und umzusetzen. Die Stadt Lüneburg will mit besten Mitteln dieses Vorhaben unterstützen. Trotz der harten Zeiten wird keines der Museen in der Stadt geschlossen, betonte OB Ulrich Mädge. Das was wir hier haben, ist durch das Salz der Stadt entstanden. Welches Museum kann die bedeutende Stadtgeschichte besser dokumentieren als das Museum für das Fürstentum Lüneburg?

Dr. Michael, Museumsdirektor des Museums für das Fürstentum Lüneburg
Dr. Michael, Museumsdirektor des Museums für das Fürstentum Lüneburg
Dr. Eckhard Michael, Museumsdirektor des Museums für das Fürstentum Lüneburg fühlt sich bei der Stadt gut aufgehoben und freute sich sehr über die Zusage der Unterstützung durch die Stadt.
In seinem Festvortrag veranschaulichte er den Gästen wie es zur Gründung des Museumsvereins eigentlich so in Lüneburg war, indem er erst einmal die allgemeine Situation der Gesellschaft in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts erläuterte:

Mitte des 19. Jahrhunderts fand eine bürgerliche Revolution in Deutschland statt. Althergebrachtes aus dem Mittelalter löste sich endgültig auf. Durch die Industrialisierung und Liberalisierung fanden gewaltige Umbrüche auch kultureller Art statt. Die führende Schicht wird das liberale Bürgertum, das den Adel ablöst. Bürger suchen nach Wege und Mitteln, um die neue Situation darzustellen, auch als spiegelbildliche Erfahrung, was man an neuen Leistungen hervorgebracht hat. Dies streift auch die Kultur. Der Begriff "Bildungsbürgertum" stammt aus der Mitte des 19. Jh.

Das Bürgertum bemühte sich um Bildungsgüter. Es entstanden Theater, Orchester, Museen, etc. in großer Zahl. Die Denkmalpflege beginnt. Vieles ist den Bildungsbürgern zu verdanken, die nicht nur Neues ins Leben gerufen haben, sondern auch den Gedanken des "Bewahrens" in den Vordergrund schoben.
Das bürgerliche Zeitalter beinhaltete auch die Schaffung der Pflege von überkommenem Kulturgut. Diese allgemeine Erscheinung war auch in Lüneburg zu finden.

Wir wollen uns Hineinversetzten in die Zeit um das Gründungsjahr des Museumsvereins 1878: Die Stadt Lüneburg ist im Umbruch insbesondere auch auf wirtschaftlicher Ebene. Es gibt mehr allgemeinen Wohlstand, der vom Bürgertum getragen wurde.
Erst 1866 brachen die Bürger der Stadt aus den alten Stadtgrenzen aus: Die Wallstraße wird gebaut. Nach und nach entstand das "Rote Feld"
1874 wird das Ratssilber nach Berlin verkauft und Versteigerung von wertvollen Kunstwerken aus St. Johannis sind jetzt in New York, London und Hannover zu finden. All diese Ereignisse förderten die Gründung eines Museumsvereins, der dem Verlust von Kulturgut in Lüneburg entgegenwirken wollte.

Maßgeblich beteiligt waren Kräfte der Wirtschaft, Honorationen der Stadt, Kunstverständige und Vertreter der Wissenschaft. Bei der Gründungsversammlung des Vereins waren 26 Herren zugegen. Es waren starke Vertreter die den Gedanken an "musealer Arbeit" aufrechterhielten. Schnell entstand die Idee ein eigenes Gebäude zu errichten. 1879 beschlossen der Naturwissenschaftliche und der Museumsverein, einen gemeinsamen Baufonds zu bilden. Nach etwa zehn Jahren konnte mit der Errichtung des Hauses begonnen werden.

Herausragendes Engagement zeigten bei der Pflege und bei der Bestandserweiterung der Artz Dr. Otto Sprengel, der Chemiker Dr. Carl Heintzel und der Oberlehrer Theodor Meyer. Objekte aus der Ur- und Frühgeschichte, der Kirchlichen Kunst, der Stadtgeschichte und auch der bäuerlichen Kultur wuchsen stetig. 1897 gelang es einen wissenschaftlich ausgebildeten Leiter einzustellen, wodurch die wissenschaftliche Grundlage gefördert und garantiert wurde.

Ausführliche Informationen zur Museumsgeschichte finden Sie auf den Internetseiten des Museums für das Fürstentum Lüneburg: www.museum-lueneburg.de/museumsgeschichte.html

Dr. Michael möchte den Jubiläumstag nicht nur zur Rückschau in Zufriedenheit würdigen, sondern auch eine Analyse des Gegenwärtigen wagen und Zukunftsperspektiven entwickeln: "2003 sind wir in einem neuen Jahrtausend. Mir scheint gerade jetzt ist der Wandel deutlich ausgeprägt. Die Folgen der Revolution der Medien ist noch nicht abzuschätzen. Vielleicht kann es sein, dass wir uns noch nicht auf die Zeit eingestellt haben und auch die soziale Bildungsmisere nicht richtig einschätzen können. Allgemein haben große gesellschaftliche Änderungen eingesetzt. Wir leben in der Welt, sind ihr ausgesetzt und müssen in ihr leben. Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen. Die neuen Anforderungen sollten angenommen werden, d.h. die musealen, wertvollen Inhalte sind neu zu justieren und zu präsentieren, daran wird gearbeitet." ´

Das Museum ist auf dem Weg zu neuen Ufern. Einigen geht es zu langsam aber das können nur die sein, die nicht wissen wie Wenige sich dieser Aufgabe widmen können. Das Museum befindet sich auf dem Weg zur Neukonzeption.

Der Vorstand des Museumsvereins hat beschlossen längjährige Mitarbeiter zu ehren. So bedankte sich Herr Bünten während der Jubiläumsfeier bei 2 Mitgliedern des Vereins für ihre langjährige Unterstützung. Mehr als 50 Jahre sind Frau Wendland und Frau Hartmann, genauer gesagt, seit 1949 Mitglieder des Vereins.

Beide Damen sind Bildungsbürgerinnen im guten alten Sinne, bemerkte Herr Bünten. Für ihre langjährige Unterstützung wurden Sie mit antiquaren Buchgeschenken geehrt. "Das Museum ist lebendig wenn alle Generationen daran arbeiten."

Die begleitende Ausstellung zur Jubiläumsfeier fand großen Anklang bei den Gästen
Die begleitende Ausstellung zur Jubiläumsfeier fand großen Anklang bei den Gästen

Während der Jubiläumsfeier gab es im Obergeschoss des Museums eine ganz besondere Ausstellung. Sie wurde überwiegend zusammengestellt aus wertvollen Magazinbeständen des Museums und zeigt einige Dokumente zur Gründung des Museumsvereins im Jahre 1878 und insbesondere das Bild der Stadt Lüneburg um die Zeit der Vereinsgründung. Zu sehen gab es Gesamtansichten, Straßenzüge und einzelne Gebäude, die nähere Umgebung, Persönlichkeiten und die Kirchen. Leider ist die Ausstellung nur drei Tage lang zu sehen, da bestimmte Objekte nicht so lange dem Licht ausgesetzt werden dürfen.

Aber es sind nicht alle Schätze im Museum verborgen. Eine große Anzahl von Objekten aus den Bereichen Ur- und Frühgeschichte, Kirchlicher Kunst und der Lüneburger Stadtgeschichte können von Dienstag bis Sonntag bestaunt werden.

(hr - 11. Oktober 2003)



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