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Am Ochsenmarkt 1
21335 Lüneburg
(direkt am Marktplatz) |
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| Heinrich Heine in
Lüneburg - Teil II |
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Die Blumenauen Lüneburgs am
Stadtgraben vor 1874 |
| Fotografie von Raphael Peters |
"Heimkehr" nannte er die
Sammlung der Gedichte im "Buch der Lieder", die überwiegend
in Lüneburg entstanden sind.
Sein Verhältnis zu Lüneburg war zwiespältig. Vor
allem anfangs, als es ihm noch an Bekanntschaft fehlte, fühlte
er sich hier in der "Residenz der Langeweile" (1)
gefangen, doch erfreute er sich von den ersten Tagen an auch der
"Blumenauen Lüneburgs" (2). Als altertümlicher
Provinzort war Lüneburg typisch für das Deutschland Heines,
ein Land, das mit seinen sechsunddreißig souveränen Kleinstaaten
eigentlich nur aus Provinzen bestand. Unmöglich hätte
man von Berlin, Köln, Frankfurt, München oder Hamburg
sprechen können wie von Paris, das man als unumstrittene Metropole
mit Frankreich identifizieren konnte. Deutschland war für Heine
ein unter tiefem Schnee schlummerndes "Wintermärchen". Geistige
Beschränktheit, die der politischen Provinzialität entsprach,
fand er überall: im Krämergeist Hamburgs, in Göttingens
Gelehrsamkeit und Burschenseligkeit, im wundergläubigen Katholizismus
Kölns und in den fünfundzwanzig romantisch gestimmten
"Seelen" (3) Berlins.
Auch auf dem Lüneburger Rathaus
entdeckte er den "Culturableiter" (4).
Provinz hatte für Heine aber auch einen liebenswerten Aspekt,
etwas Heimatliches. Er sehnte sich nach der Weltheimat als einer
grenzenlosen Provinz, einer Provinz ohne das Ausgrenzende des Provinziellen.
Darum berührte ihn die naive Religiosität, die ihm in
Lüneburg entgegentrat, so schmerzlich wie das beschauliche
Bild des Frühlings in der Ilmenauniederung vor der Stadt. Dieses
Frühlings betörende Melodie singt die "Looreley" in dem
berühmten Gedicht Heines, das nicht am Rhein, sondern in Lüneburg
entstanden ist. Die Auflösung ihres im Volksliedton gesungenen
Rätsels folgt im "Buch der Lieder" der "Loreley" auf dem Fuße:
das Gedicht "Mein Herz, mein Herz ist traurig", in dem die märchenhafte
Szenerie sich auflöst in das wirkliche Bild der "Blumenauen
Lüneburgs". (5)
In Wirklichkeit befindet sich Heine
auf der "alten Bastei" am Stadtgraben
(heute: Lösegraben).
Und wirklich sieht er, während er von der Loreley träumt,
die Wiesen- und Gartenlandschaft zu seinen Füßen, die
Ratsmühle, den alten Turm der Ratswasserkunst und das Schilderhäuschen
mit dem Grenadier in der roten hannoverschen Uniform an der Altenbrückertorwache.
Dieser Anblick zerreißt ihm das Herz. Ratsmühle und Ratswasserkunst
stehen noch heute. Nur auf einer einzigen Fotografie ist dagegen
der Anblick der Landschaft vom Schießgrabenwall herab festgehalten,
mit Stadtgraben, Booten, Gärten und Lusthäusern, wo sich
heute die Gegend zwischen Schießgrabenstraße und Bahnhof
erstreckt. |
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Immer wieder läßt
sich in Heines Werk feststellen, wie genau er sich an die Wirklichkeit
anschmiegt.
Manches ist nur zu verstehen, wenn man Personen und Situationen
gut kennt. In besonderem Maße gilt das für Gelegenheits-
und Zeitgedichte, zu denen auch zwei Gedichte auf Rudolf Christiani
zählen, Heines innigsten Lüneburger Freund, der sich später
mit einer seiner Cousinen vermählte. Das Gedicht "An einen
ehemaligen Goetheaner" trifft den Ton der überlegenen, aber
ohnmächtigen Ironie in den Reden und Bittschriften, in denen
der Politiker Christiani vom hannoverschen König 1831 die Einlösung
des Verfassungsversprechens verlangte. (6)
Das frühere Gedicht "Diesen liebenswürdgen Jüngling"
führt zurück ins Lüneburger Heinrich Heine Haus.
Diesen liebenswürdgen Jüngling Kann man nicht genug
verehren; Oft traktiert er mich mit Austern, Und mit Rheinwein und
Likören.
Zierlich sitzt ihm Rock und Höschen, Doch noch zierlicher
die Binde, Und so kommt er jeden Morgen, Fragt, ob ich mich wohlbefinde;
Spricht von meinem weiten Ruhme, Meiner Anmut, meinen Witzen;
Eifrig und geschäftig ist er Mir zu dienen, mir zu nützen.
Und des Abends, in Gesellschaft, Mit begeistertem Gesichte, Deklamiert
er vor den Damen Meine göttlichen Gedichte.
O, wie ist es hoch erfreulich, Solchen Jüngling noch zu finden,
Jetzt in unsrer Zeit, wo täglich Mehr und mehr die Bessern
schwinden. (7)
In den Abfallgruben, die man im Zuge
der Restaurierung des Heinrich Heine Hauses aufgegraben hat, fand
man auch Überreste aus der Zeit um 1800, die an die
Besuche des eleganten und großzügigen Christiani bei
Heine denken lassen: eine ganze Reihe von Mineralwasser- und Weinflaschen,
sogar Austernschalen, zerbrochenes Meißener Gedeck und chinesisches
Porzellan, das vielleicht einst zum Hausstand der Heines in Lüneburg
gehörte.
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LITERATUR:
- (1) Heinrich Heine. Säkularausgabe Band
20:
Briefe 1815-1831, Berlin und Paris 1970, S. 110 ( 15.9.1823)
- (2) Ebd. S.208 (31.7.1825)
- (3) Ebd. S.162 (24.5.1824)
- (4) Ebd. S.120 (6.11.1823)
- (5) Vgl. Werner Preuß, Heinrich Heine
und Lüneburg. Loreley am Lösegraben.
Hamburg 1987, S.70-93
- (6) Vgl. Preuß, Lüneburger Antoren,
a.a.O., S.33-35
- (7) Preuß, Heine und Lüneburg, a.a.O.,
S.103
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Teil I |
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