Literaturbüro Lüneburg im Heinrich-Heine-Haus  




Lesung

Hanns-Josef Ortheil liest aus „Die Erfindung des Lebens“

Hanns-Josef Ortheil - Foto: ©: Peter von Felbert
Hanns-Josef Ortheil, Träger des Nicolas-Born-Preises des Landes Niedersachsen 2007, hat mit seinem neuesten Buch „Die Erfindung des Lebens“ einen stark autobiographisch geprägten Roman vorgelegt. Der Schriftsteller und Professor für Kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim erzählt darin die Geschichte eines Jungen, der die ersten sieben Jahre seines Lebens stumm aufwächst. Er muss sich von der Belastung des Traumas seiner Eltern befreien, seine Sprache und sein eigenes Leben finden. Trotz Rückschlägen gelingt ihm schließlich eine Karriere als Schriftsteller. Hanns-Josef Ortheil, einer der wichtigsten deutschen Autoren der Gegenwart, liest am Mittwoch, dem 24. März, um 20.00 Uhr im Heinrich Heine Haus. Den Abend moderiert Dorothea Westphal von Deutschlandradio Kultur.

Johannes wächst nach dem zweiten Weltkrieg an der Seite seiner stummen Mutter auf. Seit dem Verlust von vier Söhnen spricht sie kein Wort mehr und kommuniziert mit ihrem Mann nur über Zettelchen. Ihr Schweigen hält auch den Sohn gefangen. Er zeigt zwar schon früh musikalisches Talent, in der Schule wird er jedoch gehänselt und als „Idiot“ abgeschrieben. Doch der Vater glaubt an seinen Sohn. Schließlich trennt er den Jungen eine Zeitlang von seiner Mutter und bringt ihn aufs Land, wo er ein Sprachtraining in der Natur mit ihm beginnt, bei dem er dem Jungen seine Umgebung langsam Wort für Wort erschließt. Nach der Schule geht Johannes nach Rom um Pianist zu werden, muss seinen Traum jedoch aufgrund schwerer Sehnenscheidenentzündungen aufgeben und sein Leben neu erfinden. Er, der viele Jahre sprachlos lebte, entdeckt die Literatur für sich und wird schließlich erfolgreicher Autor und Professor. Zehn Jahre nahm sich Ortheil für das Erzählen seiner Erinnerung Zeit. Dabei ist ihm ein sehr persönliches und tröstliches Buch gelungen.

Hanns-Josef Ortheil, 1951 in Köln geboren, studierte am Konservatorium in Rom, ehe er ein Studium der Germanistik, Philosophie und Musikwissenschaften aufnahm und 1976 in Mainz promovierte. Seit 2002 ist er Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Ortheil ist ein vielseitiger Autor. Neben Romanen verfasste er auch Sachbücher, Drehbücher und Opernlibretti. Breitere Leserschichten erreichte er mit seiner Künstlerromantrilogie „Faustinas Küsse“ (1998), „Im Licht der Lagune“ (1999) und „Die Nacht des Don Juan“(2000). Hanns-Josef Ortheil erhielt zahlreiche Preise, unter anderen das Villa Massimo-Stipendium in Rom (1991) und den Thomas-Mann-Preis (2002). Er ist außerdem literarischer Ehrenbürger der Stadt Venedig.


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