"Der Alte Kran" Panorama-Bild: mit Quick-Time-Player  mit Java-Applet
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"Unter dem breitfüßigen Abtswasserturm betritt man ein Zauberland:

Da steht dem Kaufhaus mit der vornehmen Barockfassade und dem Zwiebeltürmchen gegenüber der im Jahre 1346 erbaute, vielfach restaurierte Kran, ein wunderlicher Alraun mit langer, grünpatinierter Nase, auf einer Seite von grauen Weiden umhangen, die tief in das vorüberfließende Wasser der Ilmenau tauchen."
Ricarda Huch, Im alten Reich. Lebensbilder deutscher Städte, 1927.
Kaufhaus und Kran
Abb. 1
Kaufhaus und Kran,
Radierung von R. P. Hecht, 1943
 
Holzschild
Abb. 2
Der "Alte Kran" - neben den nun hohen Trauerweiden - wurde am 26. August 1997 200 Jahre alt. Der Zimmermann G.P. Hintze erbaute unter der Leitung des Landbauverwalters Kruse im Jahre 1797 den Kran.

Ein hölzernes Schild an der senkrechten Welle nennt den Erbauer und das Datum "1797 26. Au." Der Neubau des Kranes war notwendig geworden, weil ein Hochwasser mit Eisgang im Februar 1795 nicht nur die Kaufhausbrücke über die Ilmenau zum Einsturz brachte, sondern auch den Kran beschädigte.
   
Ein "Extractus Protocolli Camerae" berichtet unter dem Datum 21. Dezember 1795: "Lieferte der Herr Bau-Conducteur Kruse eine in einer bleyernen Capsel eingeschloßene auf Pergament geschriebene Inschrift ein, welche er in dem Kopfe des jetzt abgebrochenen Krahns bey dem Kaufhause gefunden.

Die Inschrift ist von weyl. Secretario Johann Hinr. Büttner verfertiget und des Inhalts, dass 1379 der Krahn zuerst, und 1718 zuletzt renoviert worden. Die Inschrift selbst ist zu den Acten von dem jetzigen Kaufhausbaue gelegt worden". Das Pergament wird heute noch im Stadtarchiv Lüneburg verwahrt. Es nennt wichtige Stationen in der Geschichte des "Alten Krans" im Lüneburger Hafen: 1379, 1438, 1537 und 1661.
 
Ein Kran wird erstmals 1330 in einer Kämmereirechnung erwähnt, als "Wernecke von Bardvik zahlte vom Kran 3 M. 8 d.". In diesem Jahr wurde der Kran geteert. Eine genaue Lagebeschreibung erfolgte 1346. Der Kran steht jenseits der Ilmenau beim Tor an der neuen Brücke. Für den Rat der Stadt Lüneburg war er eine lohnende Einnahmequelle, denn schon im Jahre 1372 konnte er Gläubigern die Einnahme "von des Rates Heringshaus und Kran" zur Deckung von Zinsen übertragen.

Die 1. Kaufhausordnung von 1587 regelte, dass die Faktoren Krangeld für die Benutzung des Krans zu zahlen hatten. Bereits in der Kaufhausrolle von 1484 waren die zu entrichtenden Gebühren spezifiziert: "to dem Krane / dat me ladet" war 1 Schilling zu entrichten. 1379 wurde der Kran "by der Luner brugge" vermutlich erneuert. In den Jahren 1438, 1537 und 1661 erfolgten Reparaturen.
   
Lüneburger Fischmarkt 1896
Abb. 3
Lüneburger Fischmarkt, 1896
Der Kran im Lüneburger Hafen bildete immer eine Einheit mit dem Kaufhaus, das 1302 erstmals als "Heringshaus" genannt wurde.

Hier wurden Waren vom Schiff auf den Landverkehr umgeladen und zwischenzeitlich im Kaufhaus auf Stapel gelegt. Lucas Lossius schilderte 1566 das Treiben am Hafen:

"In dem Teile der Stadt, wo Holz man und Waren hereinführt, / Wo sie zum Flusse sich senkend den Bären, den eisigen, aufnimmt, / Findet ein Anlegeplatz und ein Haus sich, das Kaufhaus geheißen. / Eine Maschine hängt dort, der Kran, genannt nach dem Kranich, / Weil im Großen die Form eines Kranichs vom Strymon sie aufweist. / Darin ein Rad, das hurtig von innen im Kreise getreten / Aus den Schiffen, den langen, die Waren zur Höhe befördert."
 
 
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