Von den Langobarden zum Anbruch des Mittelalters
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Die Ausgrabung in Betzendorf

Nachdem bereits im Jahre 1990 bei einem Suchschnitt im Ortskern von Betzendorf (Grundstück Gehrmann, gegenüber der Kirche) frühmittelalterliche Scherben entdeckt wurden und zeitgleiche Funde auch bei den Grabungen bzw. den Flurbegehungen im benachbarten Glüsingen und in der Wüstung Hillersbüttel (unweit Tellmer) zutage kamen, bot das Bekanntwerden mittelalterlicher Funde auf dem Grundstück Janßen in Betzendorf, neue Möglichkeiten, die mittelalterliche Siedlungsentwicklung in der heutigen Gemeinde Betzendorf weiter zu erhellen.
Beim Betzendorfer Nachbarort Drögennindorf wurden in den 70er Jahren ca. 600 langobardenzeitliche Urnen ausgegraben.

Funde dieser Zeitstellung sind aus Betzendorf bisher nicht bekannt geworden (Zeichnung: A. Brebbermann).

Beim  Betzendorfer Nachbarort Drögennindorf wurden in den 70er Jahren ca. 600 langobardenzeitliche Urnen ausgegraben. Funde dieser Zeitstellung sind aus Betzendorf bisher nicht bekannt geworden (Zeichnung: A. Brebbermann).

Erste Scherben kamen bereits beim Hausbau im Jahre 1985 zutage. Es handelt sich in der Masse vorwiegend um die sog. harte Grauware (Kugeltöpfe) und um Kugeltöpfe von hellbrauner Farbe und relativ grober Magerung der Scherben.

Der Schnitt wurde der Länge nach parallel zur Wand der Wohnhauses angelegt. Der Rand des Gartens lag leicht erhöht gegenüber dem Weg an der Wand des Hauses entlang.

Die Hoffnung, die zahlreichen bis dato dort aufgefundenen Keramikscherben mit einem aussagekräftigen archäologischen Befund verknüpfen zu können, konnte mit dem Probeschnitt vom 01.07.1995 nicht erfüllt werden. Spuren hochmittelalterlicher Häuser, wie sie etwa aus der Achterstraße in Uelzen vorliegen, konnten ebenfalls nicht beobachtet werden.

Slawische Scherbe des frühen Mittelalters aus Betzendorf (Sammlung Janßen).

Slawische Scherbe des frühen Mittelalters aus Betzendorf (Sammlung Janßen).

Dennoch sind eine Reihe von weiterführenden Betrachtungen über die mittelalterliche Besiedlungsgeschichte Betzendorfs möglich. Da auch auf dem benachbarten Acker bis in etwa 150 m Entfernung mittelalterliche Keramik geborgen werden konnte (mdl. Mitt. P. Janßen), ist davon auszugehen, daß diese in ihrer Gesamtheit nicht sekundär verlagert wurde.

Diese Annahme wird auch durch die bereits 1990 geborgenen mittelalterlichen Keramikreste im Ortskern Betzendorfs gestützt.

Wahrscheinlich ist, daß evtl. vorhanden gewesene Befunde im Zuge der Beackerung des Ziegenberges bzw. beim Bau des Hauses Nr. 3 endgültig zerstört wurden. Offensichtlich fanden sich dort in der Nachkriegszeit noch vereinzelt weitgehend unzerstörte Gefäße, da Kinder seinerzeit mit diesen spielten (mdl. Mitt. W. Janßen; nach Angaben der Familie Stolze, Betzendorf).

Aussagen zur Besiedlung auf dem Ziegenberg in Betzendorf sind daher lediglich auf der Grundlage einer Auswertung des bis dato gefundenen Keramik möglich.
Dabei muß zunächst festgehalten werden, daß der Löwenanteil der Keramik in das hohe und frühe Spätmittelalter datiert.

"Späte" Keramik tritt innerhalb des Fundmaterials erst wieder in Gestalt einiger Reste von sog. Jütepötten auf. Solche Jütepötte wurden verschiedentlich in der Lüneburger Altstadt gefunden; der Höhepunkt der Produktion lag vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jh. in Jütland. Das Ende des zeitlichen Spektrums der Keramik vom Ziegenberg liegt somit im späten Mittelalter. Für diese Annahme spricht auch die Datierung einer dort von P. Janßen gefundenen Münze. Nach frdl. Mitt. von J. Wiegert handelt es sich um einen sog. Lüneburger Witten aus der Zeit kurz nach 1381.

Über die Gründe, die zu dem möglichen Besiedlungsabbruch auf dem Betzendorfer Ziegenberg geführt haben mögen, kann einstweilen nur spekuliert werden. Auffällig ist immerhin, daß auch der benachbarte, heute nicht mehr existierende, Ort Hillersbüttel im späten Mittelalter wüst wurde.

Ob dies als eine Folge der spätmittelalterlichen Agrarkrise anzusehen oder gar als Folge einer der zahlreichen lokalen Fehden dieser Epoche geschehen ist, muß einstweilen offen bleiben. Ist diese Annahme jedoch richtig, dann ist auch Betzendorf - ebenso wie das benachbarte Holtorf - eine partielle Wüstung gewesen!

Lage des untergegangenen Dorfes Hillersbüttel
Lage des untergegangenen Dorfes Hillersbüttel in der Feldmark zwischen Betzendorf und Tellmer (n. G. Osten).     Karte vergrößern

Scherbe aus Hillersbüttel

Scherbe aus Hillersbüttel.

Ob freilich die beiden Betzendorf benachbart gelegenen Wüstungen Holtorf (partiell) und Hillersbüttel einer gemeinsamen Ursache ihren Untergang verdanken, muß einstweilen offen bleiben.

Denkbar wäre dies indes schon, da auch aus Betzendorf selbst Berichte über wüste Höfe vorliegen (der Barkhof, wüst seit 1385; der Soothof, nachweislich wüst seit 1550, wahrscheinlich jedoch bereits schon längere Zeit zuvor.

Da der Ziegenberg innerhalb des Ortes eine deutliche Erhöhung darstellt, ist es sicher nicht unwahrschienlich, in ihm den Bark(= Berg-)Hof erblicken zu wollen (so wird in einer mittelalterlichen Urkunde auch der Kirchenhügel als "Wurt" bezeichnet; frdl. Mitt. v. Pastor J. Wesenick).

Das Fehlen von Funden aus dem Spätmittelalter und aus der Neuzeit auf dem Betzendorfer Ziegenberg als ein Indiz für einen Besiedlungsabbruch in dem fraglichen Areal zu werten, ist durch in Anbetracht der in Bardowick angewandten Verfahren (Flurbegehungen etc.) methodisch abgesichert.

Auch an verschiedenen Stellen innerhalb Bardowicks sind auf der Grundlage des archäologischen Materials räumlich begrenzte Siedlungsabbrüche zu beobachten, die sich allerdings bereits in das 12. Jahrhundert datieren lassen und dort ebenfalls mit historisch belegten Ereignissen in Verbindung zu bringen sind.

D. Gehrke M.A.

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