Von den Neandertalern zu den Langobarden
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Vorrömische Eisenzeit

Die jüngere Bronzezeit und der Beginn der vorrömischen Eisenzeit
(900 - 600 v. Chr.)

Bereits im Verlauf der mittleren Bronzezeit kam es zu einem Vordringen der Leichenverbrennung.

Im Vergleich zu anderen Regionen Niedersachsen erfolgte der Einzug dieser Sitte im Ilmenaubereich jedoch erst relativ spät, unter Einfluß der mitteldeutschen Lausitzer Kultur; eine Beobachtung, die auch auf das östlich angrenzende Hannoversche Wendland zutrifft (Laux 1995, S. 44).

Die ersten Urnenfriedhöfe der Region waren noch relativ klein; erst in der älteren vorrömischen Eisenzeit erreichten sie einen Umfang von oft mehreren hundert Bestattungen.

In Soderstorf bei Amelinghausen wurde ein Urnenfriedhof der älteren vorrömischen Eisenzeit ausgegraben, wo allein im ersten Grabungsabschnitt bereits 281 Bestattungen geborgen werden konnten (Häßler 1976, S. 9).

Ausschnitt aus der archäologischen Karte Georg Otto Carl v. Estorffs aus dem Jahre 1846.
Ausschnitt aus der archäologischen Karte Georg Otto Carl v. Estorffs aus dem Jahre 1846. Auf ihr sind auch eine ganze Reihe von Urnenfriedhöfen aus dem Gebiet des heutigen Landkreises Lüneburg dargestellt.

In den dreißiger Jahren konnte G. Körner in Amelinghausen eine Reihe von Urnen aus der frühen vorrömischen Eisenzeit bergen, die als Nachbestattungen am Rande endjungsteinzeitlicher Hügel beigesetzt worden waren. Offenbar wurde dieser kleine Urnenfriedhof seinerzeit nicht vollständig ausgegraben.

Weitere Urnen aus der jüngeren Bronzezeit sind im Dahlenburger Heimatmuseum zu besichtigen; ebenso einige jüngere Gefäße aus der älteren vorrömischen Eisenzeit. Diese wurden bei Ausgrabungen des Lüneburger Museums entdeckt. Im Bleckeder Schloß werden ebenfalls eine Reihe von Funden dieser Zeitstellung aus der Vorgeschichtlichen Abteilung des Museums für das Fürstentum Lüneburg gezeigt !

Die ältere vorrömische Eisenzeit - Funde von den Ausgrabungen der AG Urgeschichte bei Oldendorf (Luhe)

Die hier gezeigte Urne mit Deckschale aus Oldendorf (FStNr. 168) konnte wieder fast vollständig restauriert werden! In die Zeit vor etwa 2500 Jahren führt die Ausgrabung, die die AG Urgeschichte 1994/95 auf einem Urnenfriedhof der älteren Eisenzeit in Oldendorf (Luhe) durchführte. Freigelegt wurde der Rest eines Begräbnisplatzes, der ansonsten der Feldbestellung zum Opfer gefallen wäre.

Es handelt sich um den dritten Urnenfriedhof dieser Epoche im Umfeld der Oldendorfer Totenstatt, einer Gruppe von mehreren vorgeschichtlichen Grabmonumenten; dem wohl bekanntesten archäologischen Ausflugsziel im Landkreis Lüneburg. Zuletzt wurde ein solcher Urnenfriedhof gegen Ende der sechziger und in den siebziger Jahren bei Soderstorf vom Harburger Helms-Museum ausgegraben.
Die Ausgrabung dieses durch Überackerung gefährdeten Urnenfriedhofes begann am 15.10.1994.

Die hier gezeigte Urne mit Deckschale aus Oldendorf (FStNr. 168),
konnte wieder fast vollständig restauriert werden!

Nachdem zuvor der Entdecker dieses Fundplatzes, Herr Helmut Borkowski aus Amelinghausen, die Grenze des Vorkommens von zerscherbter Keramik der vorrömischen Eisenzeit auf dem Acker abgesteckt hatte, wurde am nördlichen Rand der Fläche ein Suchschnitt angelegt.

Da an dieser Stelle keine Überreste von Bestattungen ausgemacht werden konnten, wurde ein zweiter Schnitt in Richtung auf das Zentrum der zu untersuchenden Fläche angelegt. Innerhalb dieses Schnittes (Fläche 2) wurde die erste Urne entdeckt, deren Oberteil jedoch bereits abgepflügt worden war.

Parallel zur Fläche 2 wurde ein dritter Schnitt angelegt und dann später mit der zweiten Fläche vereinigt. Bis auf die genannte Urne blieb dieser Grabungsabschnitt jedoch fundleer, so daß der Urnenfriedhof an dieser Stelle als stark zerstört angesehen werden muß. Einen vagen Hinweis auf das Vorhandensein einer weiteren Bestattung lieferte eine Steinsetzung, bestehend aus drei kopfgroßen Steinen im östlichen Teil der Fläche 2.

Wahrscheinlich sind die dort vorhanden gewesenen Bestattungen aufgrund ihrer erhöhten Lage bereits früher ausgepflügt worden.

Die Anlage einer vierten Fläche wenige Meter weiter südlich zeigte durch die Entdeckung dreier nahezu unversehrter Bestattungen (Best. 2 - 4), daß hier der bis dato weitgehend unversehrt gebliebene Friedhofsteil erreicht worden war.

Urne

Urne 2, ein eingliedriger Topf mit Deckschale, stand frei im Sand; Spuren eines Steinpflasters konnten nicht mehr erkannt werden. Bestattung 3 war eine aus mehreren plattigen Steinen errichtete Packung, in welcher der Leichenbrand hineigefüllt worden war. Auf dem Leichenbrand lagen eine Bombenkopfnadel, ein Segelohrring und die Fragmente eines bisher nicht identifizierten Bronzeschmucks.

Seitlich davon wurde eine Tontasse entdeckt, die durch das Gewicht eines Holzpfahls, nachgewiesen durch eine durchgehende, relativ scharf abgegrenzte Verfärbung, eingedrückt worden war. Dieser Holzpfahl wird als Grabmarkierung anzusehen sein.

Die bereits 1992 anläßlich einer Fundbergung entdeckt Tasse, die ebenfalls auf diesem Fundplatz entdeckt worden war (s. Lbger. Bl. Bd. 29) war deutlich besser erhalten. Spuren einer Grabmarkierung sind offensichtlich nicht mehr erhalten gewesen; lediglich drei übereinander gelegte, faustgroße Steine, wenige cm südlich dieser Bestattung, mögen auf die Reste eines Steinpflasters hinweisen.

Urne 4, offensichtlich ein dreigliedriges Gefäß mit Deckschale, war lediglich seitwärts leicht zerdrückt. Durch die Bergung im Block konnte das Gefäß jedoch vollständig entnommen werden.

Urne Die drei letztgenannten Bestattungen lagen in einem Abstand von nahezu drei Metern zueinander; eine Sachverhalt, der auch bei der Ausgrabung des zeitgleichen Urnenfriedhofes von Soderstorf, ebenfalls Samtgemeinde Amelinghausen, Landkreis Lüneburg, festgestellt wurde.

Eine Erweiterung der Fläche 4 in südlicher Richtung (Fläche 4a) brachte eine Steinsetzung aus jeweils drei bzw. vier parallel zueinander verlaufenden kopfgroßen Steinen, an deren Ende etwas Holzkohle entdeckt wurde. Diese Steinsetzung konnte jedoch nicht mit einer Bestattung in Verbindung gebracht werden.

Am 22.10.1994 wurde die Fläche 4a wiederum südwärts erweitert (Fläche 5).
In diesem Grabungsabschnitt wurden insgesamt vier Bestattungen und eine Steinsetzung entdeckt. Während die Urne 10 bereits fast völlig zerscherbt war, konnten die Urnen 5 (ein eingliedriges, rundes Gefäß mit den Resten einer Deckschale) und 9 (ein eingliedriges Gefäß mit zwei Henkeln, bedeckt mit einer schwarzen Deckschale mit Ritzlinienverzierung) vollständig im Block geborgen werden.

In den parallel zu Fläche 4 angelegten Erweiterungen 6 und 7 konnten die Überreste zweier weiterer zerstörter Bestattungen lokalisiert werden. Der Urnenfriedhof gehört in den Abschnitt Jastorf B der älteren vorrömischen Eisenzeit. Es ist der dritte Jastorf-Friedhof im Bereich der Oldendorfer Totenstatt.

Am 14.10.1995 wurde die Untersuchung des Urnenfriedhofes fortgesetzt. Nachdem der Fundplatz erneut eingemessen worden war, wurde randlich von Fläche 4a ein kleiner Schnitt angelegt zur Überprüfung der Lage der alten Grabungsgrenze angelegt (Fläche 9).

Innerhalb dieser Fläche wurde eine randlich mit drei z. T. plattige Steine abgedeckte Grube entdeckt, die mit Holzkohle gefüllt war. Randlich innerhalb dieses Befundes wurde ein längeres Stück Holzkohle wurde geborgen. Im Schnitt war eine Verfärbung erkennbar, die unter das Niveau der Grube reichte. Sie wird als Überrest eines aufrecht stehenden Pfahles zu deuten sein.

Bestattung in einer Steinsetzung.

Am 21. und 28.10.1995 wurde die Grabung abgeschlossen.

Die gesamte vorrömische Eisenzeit wurde von dem in Bleckede geborenen Lehrer und späteren Archäologen Gustav Schwantes nach vier Orten im heutigen Landkreis Uelzen in folgende Zeitstufen unterteilt:

Wessenstedt = frühe vorrömische Eisenzeit
Jastorf = ältere frühe vorrömische Eisenzeit
Ripdorf = mittlere frühe vorrömische Eisenzeit
Seedorf = jüngere frühe vorrömische Eisenzeit

Schwantes bezog sich dabei auf Fundorte, bei denen er selbst seit seinem sechzehnten Lebensjahr Ausgrabungen unternommen hatte, sowie auf ältere Grabungen von John M. Kemble und Heinrich Meyer-Haarstorf.

Am Beispiel der zweihenkeligen Grabgefäße läßt sich typologisch eine Entwicklung aufzeigen, die sich kontinuierlich über mehrere Jahrhunderte erstreckt.

Diese Kontinuität nahm man zum Anlaß, die Geschichte der Germanen, die erst in der Zeit um Christi Geburt in das Licht der schriftlich überlieferten Geschichte treten, bis weit in schriftlose Zeiten hinein "zurückzuverlängern".

Heutzutage wird diese Methode jedoch zunehmend kritisch hinterfragt.

D. Gehrke M.A.

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