Von den Langobarden zum Anbruch des Mittelalters
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Frühmittelalterliche Siedlungen

Der bereits 785 erstmalig urkundlich erwähnte Ort Bardowick wurde während der Kriege Karls des Großen gegen die Sachsen (772 - 804) mehrmals von ihm aufgesucht.

Bereits 805 wird er als Handelsplatz genannt. Der Fernhandel dieser Zeit lag vornehmlich in den Händen der Friesen, die ihre Toten auch in Bardowick bestatteten.

Die Dörfer am Rande des Süsings auf einer Darstellung aus dem
Die Dörfer am Rande des Süsings auf einer Darstellung
aus dem "Bardengau" des Freiherren von Hammerstein-Loxten (1869).

Bereits gegen Ende des vorigen Jahrhunderts führte das Lüneburger Museum Ausgrabungen in Bardowick durch. 1934 entdeckte Franz Krüger nahe der heutigen Schleuse frühmittelalterliche Siedlungsreste, die er als Überreste einer Wassermühle deutete. Zu Beginn der achtziger Jahre führte die Universität Hamburg Grabungen im Ortskern von Bardowick durch.

Glüsingen

Bei der Ausgrabung eines Backofens in Glüsingen bei Betzendorf konnten Siedlungsschichten freigelegt werden, die weit in das frühe Mittelalter, in die Entstehungszeit der meisten der heutigen Dörfer also, hineinreichen.

Glüsingen selbst wird erst 1090 erstmalig urkundlich erwähnt; der Hof, auf dem der Backofen entdeckt wurde, sogar erst im 15. Jahrhundert. Der Glüsinger Backofen wurde über mehrere Jahrhunderte an der gleichen Stelle betrieben, bevor er in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts einem Hausbau weichen mußte.

Modell des Glüsinger Backofens in der vorgeschichtlichen Abteilung des Lüneburger Museums (E. Klinge).

Modell des Glüsinger Backofens in der vorgeschichtlichen Abteilung des Lüneburger Museums (E. Klinge).

Mehrere übereinanderliegende Backflächen, aufgrund der intensiven Nutzung des Ofens immer wieder reparatur- und erneuerungsbedürftig, legen Zeugnis ab von der Bedeutung, die dieser Ofen für einen mittelalterlichen bäuerlichen Wirtschaftsbetrieb hatte.

Datiert wurde dieser Backofen mit Hilfe der Keramik, die sich unter und innerhalb des Lehmfundamentes des Ofens fand.

Daß Fußbodenflächen mit Keramikabfällen "unterfüttert" sind, konnte unlängst auch bei einem neuzeitlichen Befund aus der Lüneburger Altstadt festgestellt werden (s. Ring 1996, S. 37).

Wahrscheinlich wurde der Backofen um 1540 aufgegeben und einige Meter weiter in Richtung auf die Wiesen verlegt, wo sich heute noch die Fundamente eines bis in die Gegewart benutzten zweiten Backofens befinden. Ein Grund dafür war sicherlich der Bau des Hauses in diesem Jahr, in dessen unmittelbarer Nähe der Backofen lag. Aus dem Ort Glüsingen, der ursprünglich aus fünf größeren und kleineren Hofstellen bestand, sind noch mindestens zwei weitere Backöfenfundamente bekannt. Offenbar war man seinerzeit nicht geneigt, den Beispielen anderer Dörfer zu folgen und einen allgemein nutzbaren Gemeindebackofen aufzurichten - obwohl dies sicherlich viel Holz gespart hätte.

So heißt es beispielsweise bereits im "Landrecht für Ober- und Niederbayern" im Jahre 1616: "Es sollen auch die gemeine Badstuben und Backöfen, weil vil Holtz dadurch verschwendt wird, so vil immer möglich ... abgeschafft auch keine neuen aufgesetzt werden".

Warum dies unterblieben ist, kann jedoch nur vermutet werden; bekannt ist immerhin, daß Backöfen ebenso wie Spinnstuben und Mühlen als "Geschwätzigkeitsorte" galten, in deren Besuch die Obrigkeit eine Gefahr der Anleitung zu Tratsch und Müßigkeit sah.

D. Gehrke M.A.

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