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Jungsteinzeit

Die Zeit der Großsteingräber - das dritte vorchristliche Jahrtausend

Die Großsteingräber der Jungsteinzeit (= Neolithikum) werden heute noch oft als sog. "Hünengräber" bezeichnet.

Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine alte Vorstellung aus dem Bereich des Volksglaubens. Sie besagt, daß die riesigen Findlingsblöcke nur von Riesen (= Hünen) hätten bewegt werden können und daß somit diese auch als Erbauer dieser Gräber anzusehen seien.

Erst als ein dänischer König in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Kompanie Soldaten damit beauftragte, ein solches Grab nur unter Zuhilfenahme von Rollen, Seilen und Hebeln zu errichten und dieses Experiment auch gelang, war der Weg für eine wissenschaftliche Beschäftigung mit diesen monumentalen Grabbauten frei.

Bau der Großsteingräber durch Riesenin einer Darstellung aus dem 17. Jahrhundert (n. Schirnig).

Bau der Großsteingräber durch Riesen in einer Darstellung aus dem 17. Jahrhundert (n. Schirnig).

Großsteingräber sind in der Lüneburger Heide meist in Gruppen entlang der Flüsse anzutreffen. Viele dieser steinernen Grabbauten mußten in den letzten Jahrhunderten landwirtschaftlichen Nutzflächen weichen und fielen dem Straßenbau oder Grabräubern zum Opfer. Erst dem Kammerherrn Georg Otto Carl von Estorff gelang es um die Mitte des vorigen Jahrhunderts der Zerstörung Einhalt zu gebieten, indem er einen Großteil dieser Gräber in Staatsbesitz überführte. Ihm ist es zu verdanken, daß die heutigen Landkreise Lüneburg und Uelzen noch einen vergleichsweise reichen Bestand solcher Gräber vorweisen können.

Zu den bekanntesten Steingräbern im Landkreis Lüneburg gehören jene im Schieringer Forst bei Barskamp, in der Totenstatt bei Oldendorf (Luhe), auf dem Strietberg und im Kirchholz bei Raven, sowie die bei Rohstorf und Soderstorf.
Im Ilmenaugebiet ist heute jedoch kein Steingrab mehr auffindbar.

Kragenflasche
Sog. Kragenflasche aus dem östlichen Landkreis Lüneburg.

Da es jedoch kaum vorstellbar erschien, daß ausgerechnet das Gebiet dieses Flusses von den Erbauern der Steingräber, der sog. Trichterbecherkultur, nicht besiedelt gewesen sein sollte, war es allerdings nur eine Frage der Zeit, bis man die archäologischen Überreste eines solchen Grabes finden würde.

Einen indirekten Hinweis auf die Existenz eines Steingrabes bei Lüneburg hatte bereits der Altfund einer Kragenflasche aus der Lüneburger Innenstadt gegeben.

 
Die Angehörigen der sog. Trichterbecherkultur gelten als Erbauer der Großsteingräber. In Grab IV der Oldendorfer Totenstatt haben sich - trotz späterer Nachbestattungen - einige Bestattungen aus dieser Zeit erhalten.
Oft war die Lage der Toten nur noch anhand der Lage der Grabbeigaben feststellbar. Organische Reste, wie z. B. Knochen, waren längst im durchlässigen Erdboden vergangen.
Trichterbecher
Trichterbecher, sog. Prachtbecher, aus einem Steingrab bei Holzen.
 
Auf die Trichterbecherkultur folgen im Lüneburgischen die Kugelamphoren- und die Einzelgrabkultur. Deren Träger errichten keine Steingräber mehr, bestatten ihre Toten in Grabhügeln und ebenso (als sog. Nachbestattungen) in den bereits vorhandenen Steingräbern.

Weitere Funde aus den Steingräbern der Oldendorfer Totenstatt sind in der Zweigstelle unseres Museums in Amelinghausen ausgestellt. Darunter befinden sich auch die Nachbildungen der Funde aus Steingrab II (Originale im Landesmuseum Hannover).

D. Gehrke M.A.

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