Von den Langobarden zum Anbruch des Mittelalters
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Abriß

Nach der Eroberung Galliens durch Julius Cäsar versuchte Rom,
auch den Norden Germaniens unter seinen Einfluß zu bringen.

Im Jahre 5 n. Chr. unternahm der römische Feldherr Drusus seinen zweiten Vorstoß nach Germanien auf dem Seewege entlang der Nordseeküste und in die Elbmündung. Gleichzeitig erreichte der spätere Kaiser Tiberius mit seinen Truppen auf dem Landwege die Elbe. Von diesem Feldzug stammen die ersten Berichte über die Bewohner dieser Gegend, die Langobarden.

Angeblich soll Tiberius seinerzeit sein Lager auf dem Höhbeck aufgeschlagen haben, wo sich noch heute die Reste eines Kastells befinden, dessen Datierungsansätze bisher allerdings in das frühe Mittelalter weisen (Thieme 1986, S. 99ff.; Bibliographie bei: Hardt / Schulze 1992, S. 1ff.).

Gefäß vom Höhbeck; dieses stammt allerdings aus dem frühen Mittelalter

Gefäß vom Höhbeck; dieses stammt allerdings aus dem frühen Mittelalter.

Die militärischen Versuche, den Norden Germaniens unter römischen Einfluß zu bringen, wurden recht bald aufgegeben:
Im Jahre 9 n. Chr. verlor der Feldherr Varus bei Kalkriese seine gesamten Truppen.
Später traten Elbgermanen als Söldner in römische Dienste und kehrten reich beladen mit römischem Import heim.

Römische Bronzekasserolle aus einem Körpergrab von Marwedel bei Hitzacker.

Römische Bronzekasserolle aus einem Körpergrab von Marwedel bei Hitzacker.

Dazu gehörte der einfache Sold in Gestalt von Bronze- und Silbermünzen, aber auch Bronzegefäße (Tafelgeschirr) für die Anführer. Es kam unter den Elbfermanen zur Herausbildung einer sozialen Oberschicht, die nun statt Leichenverbrennung zur Körperbestattung überging (Marwedel I).

Die neu entstandene Oberschicht veränderte unter römischem Einfluß ihre eigene Gesellschaft und trugen so maßgeblich zur Auslösung der späteren Völkerwanderungen gen Süden bei.

Bereits am Ende des 2. Jahrhunderts zogen erstmals Teile der Langobarden gen Süden. Im Jahre 568 erreichten sie Italien.
In den Urnenfriedhöfen der Völkerwanderungszeit fassen wir die verbliebene Restbevölkerung.

Mitten im Ortskern von Amelinghausen wurde unlängst eine Siedlung aus der Zeit kurz vor Christi Geburt entdeckt (J. Drewes).

Aus Amelinghausen ist ebenfalls ein Urnenfriedhof aus der älteren römischen Kaiserzeit bekannt, der jedoch um die Mitte des 19. Jahrhunderts beim Straßenbau weitgehend zerstört wurde.

Bruchstück eines römischen Kasserollengriffes aus Amelingenhausen-Sottorf (n. Einfeld 1854).
Bruchstück eines römischen Kasserollengriffes aus Amelingenhausen-Sottorf
(n. Einfeld 1854).
(Eine Gesamtpublikation dieses Urnenfriedhofes durch Dr. Friedrich Laux befindet sich in Vorbereitung.)

Urne aus Darzau/Ventschau.

Urne aus Darzau/Ventschau.

Der Urnenfriedhof von Darzau wurde bereits 1871 zum größten Teil ausgegraben. Gemeinsam mit dem Urnenfriedhof von Putensen, Ldkr. Harburg, gehört er zu den größten bisher bekannt gewordenen Urnenfriedhöfen Nordostniedersachsens.

Der Ausgräber Christian Hostmann legte seine Funde nur drei Jahre später in Buchform vor. In de Jahren 1904 und 1957 führten Wilhelm Keetz und Gerhard Körner Nachgrabungen auf diesem Fundplatz durch. Der Name "Stufe von Darzau" wurde später namensgebend für die ältere Kaiserzeit.

Wilhelm Keetz führte auch auf dem älterkaiserzeitlichen Urnenfriedhof in Bahrendorf (Ldkr. Lüchow-Dannenberg) Ausgrabungen durch.
Auch auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Uelzen sind langobardische Urnenfriedhöfe entdeckt worden und bereits im 19. Jahrhundert teilweise ausgegraben worden. Zu den bekanntesten Beispielen gehören die Urnenfriedhöfe von Nienbüttel und Rieste.
Oft wurden die Waffen, die man den Kriegern als Beigabe auf den Weg ins Jenseits mitgab, vor dem Vergraben zerstört bzw. verbogen:
In Boltersen auf dem Uhlenberg wurde sowohl in der älteren Kaiserzeit als auch in der Völkerwanderungszeit bestattet.
Völkerwanderungszeitliche Urne aus Lüneburg-Ochtmissen.

Völkerwanderungszeitliche Urne aus Lüneburg-Ochtmissen.

 
Am Ende des 6. Jahrhunderts werden die Sachsen
in der nördlichen Lüneburger Heide archäologisch greifbar.
 
Völkerwanderungszeitliche Fundplätze im nordöstlichen Niedersachsen (n. Friedrich Laux).

Völkerwanderungszeitliche Fundplätze im nordöstlichen Niedersachsen (n. Friedrich Laux).

Neben den von Friedrich Laux untersuchten spätsächsischen Gräberfeldern in Oldendorf (Luhe) und in Rehrhof, gehört das Gräberfeld von Rullstorf, ebenfalls Ldr. Lüneburg, dessen Ausgrabung z. Zt. noch fortgeführt wird, zu den wichtigsten Fundplätzen dieser Epoche in der nördlichen Lüneburger Heide.

Die auf diesen Gräberfeldern dokumentierten Brandbestattungen ermöglichen relativ präzise Aussagen über das Ende der Völkerwanderungszeit und den Beginn des frühen Mittelaters in der Region.

Die Rullstorfer Brandgräber können analog zu den Lauxschen Befunden aus Oldendorf (Luhe) und Rehrhof in die ältere Belegungsphase der spätsächsischen Gräberfelder der Lüneburger Heide datiert werden.

Anderen Brandbestattungsplätzen können kleine Gräben zugeordnet; man nimmt an, daß diese ehemals überhügelt waren.

Nachbildung eines fränkischen Glasgefäßes in Ton, gefunden als Beigabe eines Brandschüttungsgrabes in Oldendorf/Luhe (n. Friedrich Laux).

Nachbildung eines fränkischen Glasgefäßes in Ton, gefunden als Beigabe
eines Brandschüttungsgrabes in Oldendorf/Luhe (n. Friedrich Laux).

Solche Hügel finden sich heute noch in Bavendorf.
Es gelang ferner der Nachweis, daß allen in Rullstorf angetroffenen Tierbestattungen menschliche Brandbestattungen zuzuweisen waren.

Die Masse der Oldendorfer und Rehrhofer Brandschüttungsgräber wird ganz allgemein in das 7. Jahrhundert datiert. Allmählich setzte sich dann die Körperbestattung durch. Die Einwanderung der Slawen in Nordostniedersachsen datiert in das 7./8. Jahrhundert.

Slawisches Gefäß aus Rohstorf im östlichen Landkreis Lüneburg.

Slawisches Gefäß aus Rohstorf im östlichen Landkreis Lüneburg.

Parallel zu dieser Entwicklung hat es eine Ausbreitung der sächsichen Besiedlung über den Drahwehn bis in die Altmark gegeben, wo sächsische Gräberfelder auch noch im 9. Jahrhundert nachweisbar sind.

Bisher war es nur Michael Martin Lienau, der an je einem Beispiel dieser frühen slawischen Gräberfelder aus dem Landkreis Lüneburg (Bavendorf), Uelzen (Bruchwedel) und Lüchow- Dannenberg (Göhrde) zu Beginn unseres Jahrhunderts abweichende Befunde von der sonst bei den Slawen in Nordostniedersachsen anzutreffenden Körpergrabsitte vorlegen konnte.

D. Gehrke M.A.

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