Von den Neandertalern zu den Langobarden
Altsteinzeit     Jungsteinzeit    Bronzezeit    Eisenzeit

Altsteinzeit
die ersten Menschen in Norddeutschland

Eine ganze Reihe von Altfunden aus der Zeit des Neandertalers stammt aus dem Gebiet zwischen Sodertorf-Schwindebeck und Bispingen / Hützel (Verbleib: Hamburger Museum für Archäologie - Helms-Museum Harburg).

Angeblich soll dort um die Jahrhundertwende sogar das Skelett eines Neandertalers gefunden worden sein. Leider wurde dieser Fund jedoch kurz nach seiner Entdeckung gestohlen. Neben einigen Werkzeugen aus Feuerstein wurden in diesem Gebiet auch zwei Hölzer gefunden, die Bearbeitungsspuren zeigen.

Alt- und Mittelsteinzeitliche Fundplätze an der Luhe

Alt- und Mittelsteinzeitliche Fundplätze an der Luhe

Im Jahre 1993 wurde beim Bau der Autobahn 250 bei Ochtmissen ein Fundplatz des Neandertalers entdeckt und vom Institut für Denkmalpflege untersucht. Mit Ausnahme einige Fundkomplexe aus dem benachbarten Landkreis Lüchow-Dannenberg, waren die meisten neandertalzeitlichen Werkzeuge, die in Nordostniedersachsen bis dato gefunden wurden, Einzelfunde.

Dies gilt auch für ein Schabgerät aus Oerzen, Gde. Embsen; gefunden etwa 9 km von Lüneburg entfernt. Hergestellt wurde das Gerät in der sog. Levallois- oder Schildkerntechnik (n. R. Feustel), so benannt nach der Oberflächenbeschaffenheit des zugeschlagenen Werkzeuges, die an den Panzer einer Schildkröte erinnert.

Unter den in Ochtmissen gefundenen Steingeräten befanden sich ganze 56 Faustkeile. Sie dienten vermutlich zur Zerlegung von Großwild. Demzufolge wird dieser Fundplatz als Jagdstation gedeutet, die vermutlich über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder aufgesucht wurde. Abschließende Untersuchungen über das genaue Alter des Fundplatzes liegen bis dato nicht vor.

Ausgestellte Funde dieser Zeitstellung in Vitrine 1 der Vorgeschichtlichen Abteilung:
- Abschläge und Werkzeuge aus dem Öring, Ldkr. Lüchow-Dannenberg (ehem. Slg. Kamlade / Leunig):


Die Steingeräte und Abschläge aus Lübbow gehören zu den ältesten menschlichen Werkzeugen in Nordostniedersachsen. Dank der regen Sammeltätigkeit einer Gruppe von Vorgeschichtsfreunden unter der Leitung von W. Dürre konnte die Zahl der dort gefundenen Artefakte inzwischen auf über 10.000 Funde erhöht werden.
Die Werkzeuge und Abschläge sind weit über 100.000 Jahre alt; sie datieren mehrheitlich in die erste Hälfte der vorletzten (Saale-) Eiszeit; einige weisen ein noch höheres Alter auf. Letztere sind wahrscheinlich durch Gletschervorstöße der Saaleeiszeit umgelagert worden.

Im Landkreis Lüchow-Dannenberg wurden in der jüngsten Vergangenheit eine ganze Reihe von weiteren altsteinzeitlichen Fundplätzen entdeckt; der wohl bekannteste befindet sich bei Lichtenberg.
- Funde der jüngeren Alt- und Mittelsteinzeit (Jungpaläolithikum und Mesolithikum) aus dem Ilmenaugebiet (ehem. Slg. Legahn):


Die verschiedenen Flintartefakte datieren größtenteils in den jüngeren, nacheiszeitlichen Abschnitt der Altsteinzeit und die anschließende Mittelsteinzeit, das sog. Mesolithikum. Sie stammen aus der Privatsammlung von Ernst Legahn, der sie freundlicherweise dem Museum übereignete. Gefunden wurden sie mehrheitlich im Bereich der Ilmenau. Ihr genauer Fundort ist nicht mehr feststellbar, da die entsprechenden Unterlagen Opfer eines Brandes wurden.
Diese Werkzeuge, teilweise aus Klingenbruchstücken gefertigt, fanden z. B. als Pfeilspitzen oder als Einsätze in Harpunen Verwendung.
Die bekanntesten, bis dato entdeckten Fundplätze der jüngeren Altsteinzeit liegen im Bereich der Ilmenau bei Adendorf, Neu-Häcklingen, Deutsch Evern und Melbeck.
Im Verlauf der mittleren Steinzeit wurde die Vegetation dichter.
Für die Jäger der damaligen Zeit wurde es demnach auch schwieriger, das angeschossene Wild zu verfolgen und aufzuspüren. Aus diesem Grunde ging man dazu über, querschneidige Pfeilspitzen zu verwenden, die bei dem Jagdbeutetier eine stark blutende Wunde verursachten. War es nach erfolgtem Treffer durch einen Pfeil mit einer solchen Spitze noch in der Lage, ein Stück weit zu fliehen, konnte es anhand seiner Blut- ("Schweiß"-) Spur leichter gefunden werden.
Während im nordöstlichen Niedersachsen noch mesolithische Menschengruppen von Jägern und Sammlern eine aneignende Wirtschaftsweise betrieben, hatte im Süden des heutigen Niedersachsens längst eine neue Epoche begonnen: die Jungsteinzeit (= Neolithikum).

Funde aus der beginnenden Jungsteinzeit:

Auf den fruchtbaren Lößböden nördlich des Harzes war der Mensch seßhaft geworden und betrieb schon vor 7000 Jahren Ackerbau und Viehzucht.
Trotz dieses "Kulturgefälles" zwischen dem Norden und dem Süden gab es dennoch eine Reihe von Kontakten, die sich in Gestalt einiger Steingeräte niederschlugen. Diese wurde fast ausschließlich entlang der Elbe und ihrer Nebenflüsse gefunden. Dies deutet auf intensive Handelsbeziehungen zwischen den Trägern der mitteldeutschen Bauernkulturen und den einheimischen spätmesolithischen Jägern und Sammlern hin, bei der die Elbe erstmals als zentraler Verkehrs- uns Handelsweg in Erscheinung tritt.

D. Gehrke M.A.

[nach oben]    [Literaturliste]    [weiter: Jungsteinzeit]